Erste Kontakte nach Neidenburg

Erste Kontakte zu der Deutschen Minderheit in Neidenburg (Ostpreußen)
 
Die geographische Lage von Neidenburg (Nidzica), etwa 52 km südlich von Allenstein (Olsztyn) gelegen und 30 km von Hohenstein (Olsztynek) entfernt, kannten wir bislang bestenfalls von der Landkarte. Bei unserer Auftragsreise (vom BdV Landesverband Thüringen und von der Landsmannschaft Ostpreußen dorthin am 29.05.2015) haben wir als Mitglieder der Arbeitsgruppe „Jugend und Schule“ nun das Wichtigste kennengelernt, nämlich viele Heimatverbliebene, die dort der Deutschen Minderheit angehören.
Seit deren Existenz als Organisation hatte sie Begegnungsstätte und Büro bisher an verschiedenen Orten. Endlich konnte sie nach Neidenburg, und zwar jetzt in die ul. Zamkowa 5, umziehen und dort Sitz und Büro vereinen. Umzug und Restaurierung, wie wir aus den Gesprächen zu erfuhren, waren mit viel Arbeit, aber auch mit großer Freude verbunden. Nunmehr trifft man sich dort in dem guten Gefühl, vor kurzem  bereits das 20. Jubiläum der Existenz ihrer Deutschen Minderheit würdig gefeiert zu haben. Ihr Zukunftsglaube wird verstärkt durch die Wahl einer jungen und befähigten Deutschen aus ihren eigenen Reihen.
Mit ihr, Frau Sabina Wylengowska, hatten wir Gelegenheit, ausführlich über die zukünftige Zusammenarbeit mit uns zu sprechen, wie es gerade der Pflicht der Heimatvertriebenen gegenüber den in der Heimat Verbliebenen entspricht. Nach dem Definitionsversuch der Parlamentarischen Versammlung des Europarates werden u.a. folgende Charakteristika für eine nationale Minderheit vorausgesetzt, nämlich besondere ethnische, kulturelle, religiöse oder sprachliche Merkmale.  Minderheiten sind von dem Wunsch beseelt, die für ihre Identität charakteristischen Merkmale gemeinsam zu erhalten. All das dient dem Schutz vor einer Assimilation an die Mehrheitsgesellschaft.  Diese Grundpositionen und unsere bisherigen langjährigen pädagogisch-sozialen Erfahrungen nutzten wir, um mit der Vorsitzenden Anregungen für die Zusammenarbeit – besonders im kommenden Jahr - zu diskutieren.
Grundsätzlich wurde klar, dass die Unterrichtung von Deutsch weiterhin eine große Rolle spielen muss, und zwar in ihrer Spezifik als Minderheitssprache, wofür zurzeit Lehrplan und Lehrbücher erarbeitet werden, was offensichtlich nicht einfach ist. Wir hoffen trotzdem auf baldige diesbezügliche Ergebnisse. Natürlich besitzen örtliche Landeskundeelemente eine ausgesprochene Bedeutung, weil sie Kultur und Identität der Deutschen Minderheit zusammenfügen. Entwicklung der Minderheitssprache heißt in jedem Fall also auch Erhalt von kulturellen Elementen wie Lied- und Gedichttexte und das Ganze unter Beachtung echter deutscher Aussprache und Intonation (nicht polonisiert).
Wir sind mit der Vorsitzenden – einer Deutschlehrerin von Beruf - so verblieben, dass sie für unsere Planung für 2016 konkrete Mitteilungen bezüglich ihrer Vorstellungen und Notwendigkeiten übersenden wird.
 
 

 
Nachmittags fand dann ein Treffen mit Mitgliedern der Deutschen Minderheit Neidenburg, vorrangig Mitglieder des gemischten Chores, statt. Voller Stolz trugen sie ihre fast neuen Chortrachten.
 
Zurzeit bereiten sie sich verstärkt auf ihren Auftritt in Breslau beim gesamtpolnischen Festival der Deutschen Minderheiten vor. Ihre Lieder waren beeindruckend und sollten bei späteren Lehrveranstaltungen für Deutschlehrer berücksichtigt werden. Manches haben wir uns als Text oder Noten geben lassen, zum Beispiel diese erste Strophe: „Nach meiner Heimat zieht`s mich wieder,/ es ist die alte Heimat noch./ Dieselbe Luft, dieselben frohen Lieder/ und alles ist beim alten noch./“
Als wir heute am 1.6.2015 – wieder zu Hause in Thüringen - ins Internet schauten, erlebten wir folgende Überraschung: Bereits einen Tag nach der Veranstaltung hatte die Neidenburger Gesellschaft der Deutschen Minderheit einen kleinen deutschen Text und zwei Bilder über unsere gemeinsame Veranstaltung ins Netz zur allgemeinen Information gestellt. Das eine Foto zeigt auf der gegenüberliegenden Seite: Plakat mit der Aufschrift des Vereins, davor Damen des Chores, auf der uns zugewandten Seite: Männer der Deutschen Gesellschaft, links außen: Referenten (Manthey) und Organisator der Reise (Schütz).   
 
 
In dem kleinen Text im Internet (direkt vor den beiden Bildern) wird von unserer Vorstellung des Buches „Johann Gottfried Herder. Wir auf dem Weg zu dir. Von Mohrungen bis Weimar. Wahres und Mögliches“  geschrieben. Immerhin ist J.G. Herder - geboren in Mohrungen (etwa 100 km nördlich von Neidenburg) auch ein „Ur-Ostpreuße“ und deshalb von allgemeinem Interesse.
Hinzu kommt, dass das Buch schon von der Konzeption her reichbebildert ist und in relativ leichter Sprache verfasst wurde. Zur allgemeinen Nutzung konnten wir ein Buchexemplar als Geschenk der Neidenburger Gesellschaft der Deutschen Minderheit übergeben.