Johann Gottfried Herder

 Johann Gottfried Herder –

hochgeschätzte zentrale Persönlichkeit der Stadt Mohrungen/ MorŠ∂Źg

(25-jähriges Jubiläum des Vereins „Herder“ der Deutschen Minderheit in Mohrungen)

Als Grundaussage für die Veranstaltungen in diesem historisch besonderen Jahr wählten wir Herders Auffassung:

„Alle Einrichtungen der Menschen, alle Wissenschaften und Künste können, wenn sie rechter Art sind, keinen andern Zweck haben, als zu humanisieren.“

 

 

 

Erneut trafen sich die dreiköpfige Erfurter BdV-Delegation und zwei Vertreter der  Mohrunger Deutschen Minderheit mit dem 2. Bürgermeister von MorŠ∂Źg, Herrn Leszek Biernacki, sowie seiner Kulturreferentin.

 

Wiederum standen Fragen im Mittelpunkt wie:

Was kann MorŠ∂Źg (bei allen bisher durchaus sichtbaren positiven Ergebnissen) noch gezielter unternehmen, damit

1. sich die Stadt weiter im touristisch-wirtschaftlichen Bereich entwickelt (und zwar in starkem Maße als „Herdermagnet“) und dass

2. die humanistische Gedankenwelt Johann Gottfried Herders – unterstützt eben durch die Herderanhänger in Mohrungen sowie mit Hilfe seiner Kommunalpolitik – in Polen selbst, in Deutschland, in der EU und in der ganzen Welt popularisiert wird, also wieder zunehmend Breitenwirkung erhält.

Diese Aufgaben rufen nach baldiger Lösung; denn in 10 Jahren, also 2027, begeht Mohrungen/MorŠ∂Źg sein 700. Stadtjubiläum. Bis dahin sind sowohl verschiedene Probleme kulturell-wissenschaftlicher Art als auch komplizierte administrative Zielsetzungen zu planen und zu erfüllen. Immerhin hat Mohrungen, schon jetzt, 2017, bereits seinen 690.Jahrestag. Alles sind verpflichtende Daten; denn es ist das Ziel, zu Ergebnissen zu kommen, die, wie es Herder formuliert„ beitragen zu „humanisieren“. Beachtenswert ist auch, dass zudem am 25.08.2019 des 275. Geburtstages von Johann Gottfried Herder würdig gedacht wird.

Für die weitereZusammenarbeit mit dem Stadtratvon MorŠ∂Źg wurde abschließend ein Gedanken- und Erfahrungsaustausch im Jahr 2018 vereinbart im Zusammenhang mit den beiden anstehenden Jubiläen.

 

Das Treffen mit dem Verein der Deutschen Bevölkerung „Herder“ galt in diesem Jahr in Sonderheit dessen 25-jährigem Bestehen. Ersprießlich war, dass sich neben den freundlichen Gastgebern ganz verschiedene Teilnehmergruppen zusammenfanden, z.B. Vertreter der „Kreisgemeinschaft Mohrungen e.V.“ (Landsmannschaft Ostpreußen e.V.) aus Deutschland, Abgesandte des Harzer Ortes Morungen, also der fernen Herkunftsheimat der ursprünglichen neuen Ansiedler hier vor ca. 700 Jahren, außerdem deutsche Touristen und eben auch wir, Vertreter des BdV Thüringen (Arbeitsgruppe „Jugend und Schule“).

Die Gesprächsinhalte– beim Genuss der reichlichen und sehr schmackhaften ostpreußischen Gerichte - zwischen den Anwesenden, den aus Mohrungen Vertriebenen und den in MorŠ∂Źg Verbliebenen, waren infolge der unterschiedlichen Schicksale während der letzten Kriegsjahre und deren Folgezeit in der Bundesrepublik Deutschland bzw. in Polen verständlicherweise sehr unterschiedlich, aber ausgesprochen persönlich-ergreifend.

Eine klärende Diskussion gab es auch zu der Problematik „Anerkennung Deutscher als einstige Fremdarbeiter“.

Es wurde auch deutlich, wie sich Gastgeber und Besucher bereits jahrelang um das ständig tiefere Verstehen der Gedanken Herders bemühen. Das gilt hoffentlich auch für weitere Herderbekenner hier wie dort.

 

Die 25-jährige Geschichte mit den Leistungen der Mohrunger Deutschen Minderheit und ihrer 1. Vorsitzenden, Frau Manka, ist hoch zu schätzen. Das geschah sowohl bei diesem Treffen im „privaten“ Rahmen, das heißt in den Vereinsräumen, aber vor allem auf der Festsitzung am 26.8.2017 in der Johann-Gottfried-Herder-Aula des polnischen „Leon-Kruczkowski-Lyzeums“, der einstigen ostpreußischen „Herderschule“.

Lang war die Liste jener Abgesandten von über- und gleichgeordneten Organisationen und Gremien der Vertriebenen, Verbliebenen und der Stadtregierung. Durchweg waren ihre Worte in hohem Grade anerkennend und zielorientierend. Dabei wurde auch der besonderen Unterstützung und Förderung durch Frau Harder, Hamburg, und weiterer Mitglieder der Kreisgemeinschaft Mohrungen gedacht.

Auch wir hatten die Möglichkeit, die Grußworte unseres Landesvorstandes und des Vorsitzenden des BdV, des Landtagsabgeordneten Egon Primas, zu überbringen und eine Erinnerungsurkunde anlässlich der langjährigen Zusammenarbeit und insbesondere des 25. Jahrestages des Vereins der Deutschen Bevölkerung sowie zwei Puppen in ostpreußischer Tracht zu überreichen. Diese Grußworte betrafen sowohl freundschaftliche Erinnerungen als auch perspektivische Gedanken.

Der Vortrag von Prof. Dr. Fred Manthey zur Reformation, zu Luther und Herder sowie deren Wirken auf die deutsche Sprache stellte dann den wissenschaftlichen Höhepunkt dar. Die deutsch-polnisch gemischte Festversammlung erlebte durch die Darlegungen über die beiden Persönlichkeiten vor allem deren Verquickungen von Grundpositionen zur wahren Glaubens- und Meinungsfreiheit sowie zu Menschlichkeit und Toleranz. So wurde z.B. die Aussage Luthers hervorgehoben, die da besagt: „Predigen will ich´s, sagen will ich´s, schreiben will ich´s, aber zwingen und dringen mit Gewalt will ich niemanden, denn der Glaube will willig und ungenötigt sein und ohne Zwang angenommen werden.“

Von einer derartigen Toleranz auch der Mohrunger Stadtpolitiker sprach bereits im Jahre 2007 deren Zustimmung, als wir genau vor 10 Jahren unser Buch „Johann Gottfried Herder. Wir auf dem Weg zu dir. Von Mohrungen bis Weimar. …“ im dortigen Rathaus präsentieren konnten (vgl. Internetwiedergabe  unter: http://bdv-thueringen.de/media/20140116/herder_buch.pdf). Auf dieses scheinbar kurzfristige, aber für die Kooperation durchaus maßstabsetzende Jubiläum haben wir in unserem Vortrag ebenfallsmit Dankbarkeit hinweisen können.

Auch das sollte angemerkt werden: Das Zusammenwirken der beiden Sprachen, Deutsch und Polnisch (per abschnittsweiser Übersetzung), und die vorgetragenen Inhalte waren angetan, die Zuhörer  menschlich einander näher kommen zu lassen.

 

 

Mit dem wunderbaren Gesang von einem Männerchor aus Königsberg/Kaliningrad überbrachte die dortige Deutsche Minderheit ihren ganz speziellen Gruß zu dem 25-jährigen Jubiläum in MorŠ∂Źg.

 

Während des festlichen Banketts, das die Vereinsmitglieder mit großer Liebe angerichtet hatten, erlebten die Teilnehmer noch eine Besonderheit, nämlich einen Rückgriff auf das „Bohnenmahl“, das sein historisches Vorbild in der einstigen Tischrunde von Immanuel Kant hat. Die Königsberger konnten ihren mitgebrachten Obstkuchen präsentieren, wobei in einem der Stücke sich zwar keine Silberbohne (wie bei ausgesprochenen Traditions-Veranstaltungen), sondern eine „Ersatzvariante“ (wie in diesem Fall) befand.  Wer das Eingebackene, z.B. die Bohne, in seinem Kuchenstück findet, ist „Bohnenkönig/in“, erhält möglichweise einen Preis oder einen Auftrag (z.B. einen Vortrag über Kant zu halten).

Bei unserem Bankett wurde dem glücklichen Finder der Natural-Bohne ein Ständchen gesungen.

 

 

Gesprächsrunde im Mohrunger Rathaus mit dem Vorsitzenden der LMO Stephan Grigat, dem Vorsitzenden der deutschen Minderheit in Osterode Henryk Hoch und dem Delegationsleiter des BdV Prof. Dr. Fred Manthey.

 

Übrigens wird noch heute in Frankreich, England, den Niederlanden und in einigen Gegenden Deutschlands das Bohnenfest als alter Brauch gefeiert, und zwar am Dreikönigstag, am jeweiligen 6. Januar.(Vgl. Manthey: „Zwölf Monate hat das Jahr“, S. 25; im Internet: www.goettinger-arbeitskreis.de/10.html)

 

 

Natürlich wird an diesem zweiten Tag auch Johann Gottfried in der nach ihm benannten Herderstraße besucht, genauer gesagt, sein Denkmal (mit den Daten: *25. August 1744 † 18. Dezember 1803). Dies befindet sich (vom Mohrunger Rathaus her kommend) gegenüber dem ehemaligen Geburts- und Elternhaus Herders kurz vor der Peter-Paul-Kirche (Vgl. S. 17, S. 133 im Internet unter: http://bdv-thueringen.de/media/20140116/herder_buch.pdf)

Und dann fühlen wir uns mit etwas Phantasie um mehr als 200 Jahre in die Vergangenheit zurückversetzt; denn da nähert sich – vom Mohrunger Dohna-Schlösschen her kommend – eine Menschengruppe mit Personen, die u.a. Johann Gottfried Herder und seine Frau Caroline Herder geb. Flachsland und deren Zeitgenossen in ihrer damaligen Kleidung darstellen.

Die Direktorin des heutigen Herder-Museums hält dann vor dem Herder-Denkmal eine kurze Ansprache zu Herder und Luther sowie zur Reformation. Abschließend treten Abgesandte der Stadt MorŠ∂Źg und von deutschen Organisationen direkt vor das Denkmal Herders, erinnern sich kurz des heutigen Anlasses für das Beisammensein und legen Blumenkränze und Blumengebinde nieder. Bleibt zu hoffen, dass unter diesen Blumen auch jene war, der Herder einst seinen Text „Die schönste Blume“ geweiht hat, wo er  in der letzten Zeile die „schönste Blume“ mit „Menschlichkeit“ gleichgesetzt hat.

 

Optimistisch stimmt ein abendlicher Besuch  am Dohna-Schlösschen mit dem Herder-Museum, wo für die Bevölkerung von Mohrungen und der Umgebung ein spezieller „Abend mit Herder“ einschließlich Konzert stattfindet. Jung und Alt nutzen durch rege Teilnahme diesen kulturellen Höhepunkt.

 

Als wir am nächsten Morgen zu der etwa 1.000 km langen Auto-Heimfahrt aufbrechen, grüßt noch einmal der Turm der Peter-Paul-Kirche zu uns herüber, jetzt zum Abschied bis zum nächsten Jahr.

Und wenn man genau hinhörte, so könnte man Herders Worte aus „Träume der Jugend“ vernehmen und zu den eigenen Einsichten werden lassen:

„Und so bleib ich euch, ihr Lieben, auch mit Herz und Seele treu.“

 

 

Prof. Dr. Fred Manthey und Dr. Christine Manthey