Verst├Ąndigungspolitisches Seminar

Verständigungspolitisches Seminar mit der Arbeitsgruppe „Jugend und Schule“ in der „Herder“-Gesellschaft der deutschen Bevölkerung in Mohrungen / Mor─ůg Polen am 8.5.2014 und im DEUTSCHEN HAUS der Deutschen Gesellschaft in der Herderstraße in Osterode / Ostroda Polen am 9.5.2014
 
Wieder einmal erleben – zur Freude aller - die Besucher aus der deutschen Minderheit von Mohrungen und von Osterode und auch einige polnische Deutschlehrer das originale Hochdeutsch zu aktuellen Themen von  Fachleuten aus der thüringischen Arbeitsgruppe „Jugend und Schule“. Außerdem nimmt an der Veranstaltung in Mohrungen ein katholischer Priester teil, der seine Messen in deutscher Sprache durchführt, was natürlich ein Hinweis auf eine ganz spezielle Form des Weiterlebens der deutschen Sprache und christlichen Kultur ist. Die emotional wichtige Bedeutung der deutschsprachigen Kommunikation mit der älteren Generation der Deutschen in traditioneller Atmosphäre und in friedlicher polnischer Umgebung ist nicht hoch genug einzuschätzen.
 
 
 
Pädagogenehepaar Manthey in der Gruppenarbeit mit Deutschlehrer in der Deutschen Begegnungsstätte in Morag
 
Die Thematik der Veranstaltungen, nämlich „übernationale Gemeinsamkeiten und nationale Besonderheiten als vereinende Merkmale der EU“ ergänzt positiv die angenehme Situation: Immerhin ist festzuhalten, dass der polnische Staat sein 10jähriges Jubiläum in der EU feiern kann und dass die Teilnehmer den positiven Meinungen bestimmter polnischer Politiker zur EU-Wahl zustimmen.
Nicht zuletzt wird im Zusammenhang mit dem 270. Geburtsjubiläum von Johann Gottfried Herder, dem wichtigen europäischen Denker, die stolze geisteswissenschaftliche Bedeutung der dortigen Region erneut bewusstgemacht. In diesem Zusammenhang erinnern wir auch an den Vorschlag, die Stadt Mohrungen mit dem international und lokal-touristisch wichtigen bildungsorientierten Zusatznamen „Herderstadt“ zu versehen. Das setzt sicher noch eine breite Aktivität auf verschiedensten Ebenen voraus! Der so entstehende Vorteil für die Stadt und ihre Einwohner könnte allerdings auch sehr groß sein. In dieser Verbindung ist es ebenfalls möglich, noch einmal auf unser Buch „Johann Gottfried Herder. Wir auf dem Weg zu dir“ einzugehen und zu zeigen, dass der BdV Thüringen dazu ein e-book eingerichtet hat, so dass man auch in Polen wie in der ganzen Welt problemlos dieses Buch im Internet lesen kann. Der Link hierfür lautet: bdv-thueringen.de/pages/publikationen/Johann Gottfried Herder.  
Passend ist es bei dieser speziellen Bevölkerungsgruppe in Polen auch, auf das Schicksal der Russlanddeutschen hinzuweisen, das in unserem Buch „Wolga. Weimar. Weizenfeld“ beschrieben wird und unter dem Link:
 „bdv-thueringen.de/pages/publikationen/wolga-weimar.php“ zu lesen ist.    
Das Internet bietet hinsichtlich der Arbeit mit den Deutschen in Polen und weltweit für den BdV mit Sicherheit noch viele ungenutzte Möglichkeiten, die in Zukunft sogar noch weiter wachsen werden.
 
 
 
 
Dr. Christine Manthey mit Vortrag und anschließender Diskussion im Deutschen Haus in Ostroda
 
Natürlich ist es für die jüngere und ältere Generation auch interessant zu erfahren, welche Entwicklung die deutschen Vornamen in den letzten Jahren genommen haben. So können einige Anwesende sogar beruhigt feststellen, dass ihr eigener „altdeutscher“ Vorname – nicht immer und allzeit  von ihnen selbst gern gehabt – jetzt wieder zu den beliebtesten Vornamen gehört. Neben den in den letzten Jahren am häufigsten gewählten Namen wie „Sophie“ und „Paul“ tauchen auch wieder „Emma“ und „Selma“ auf. Die Bevorzugung von Vornamen mit englischem Ursprung durch die Deutschen findet nicht unbedingt die Zustimmung der Anwesenden.
Kritisch ist auch die Position zu überflüssigen englischen Wörtern in deutschen Texten, also zu jenen „aufgesetzten“ Anglizismen und Amerikanismen, die gleichermaßen oder sogar besser durch deutsche Wörter vertreten werden könnten. Hier gibt es noch viel zu tun - auch in der offiziellen Kommunikation und Werbung -, um das Deutsche vor sprachlicher Fremdheit zu schützen und es  gleichzeitig  für die notwendige Erneuerung und Zweckmäßigkeit zu öffnen.
Erinnerungen der Anwesenden – aus den Jahren des Hungers stammend - werden sicher wach, als ein Lied über die Kartoffel mit verlockenden Rezepten für die ganze Woche textlich und melodisch eingeübt wird.
Der feierliche Abschluss – das gefühlvoll-stolze Singen des Ostpreußenliedes – wird so manchen noch bis nach Hause begleitet haben.
Den Leitungen beider Gesellschaften in Mohrungen und Osterode sowie ihren Helfern gilt für die sehr gute Vorbereitung der Veranstaltungen und die erwiesene Gastfreundschaft unser herzlicher Dank.
Beide Tage ließen die BdV-Arbeit in der alten Heimat als sehr wichtig insbesondere wegen ihrer kulturell-sozialen Komponente hervortreten. Gerade für die ältere Generation ist dieser Akzent von besonderer Bedeutung.