Arbeitsbesuch in den Woiwodschaften Oppeln und Schlesien

Die Arbeitsgruppe Jugend und Schule im BdV Thüringen führte das Projekt in den Regionen von Polen durch, wo die Mehrzahl der deutschen Minderheit heute gemeinsam mit der polnischen Mehrheit wohnt und lebt in den Woiwodschaften Opole und Schlesien.

Dazu folgten wir den Einladungen der Gemeinde Bierawa mit ihren 12 Ortschaften der zweisprachigen Eichendorff Schule in Solarnia in der Woiwodschaft Opole sowie dem Deutschen Freundschaftskreis im Bezirk Schlesien mit Sitz in Ratibor in der Woiwodschaft Schlesien.

Bei allen Veranstaltungen standen der Europaaspekt sowie die deutsche Sprache im Mittelpunkt in den Gesprächen und Diskussionen.

Gerade die Bildung in Blickrichtung Europa ist für die junge Generation im heutigen Polen sehr wichtig.

Wenn man heute mehrfach durch das Oppelner Land sowie auch die Ratiborer Region reist, dabei Bildungseinrichtungen und DFK Gruppen besucht und vor Ort Gespräche führt, kann man folgende positive Entwicklung feststellen.

Die größte Errungenschaft, die von der deutschen Minderheit und ihren Organisationen in den Woiwodschaften Opole und Schlesien erreicht wurde, sind die deutschen Sprachkenntnisse und deren Anwendung bei der jungen Generation an den heutigen Minderheitenschulen, zweisprachigen Schulen und anderen Bildungseinrichtungen.

Dafür gilt den Lehrern, die vor Ort die deutsche Sprache vermitteln und für die bildungspolitische Durchsetzung dem Verband der sozialkulturellen Gesellschaften der Deutschen in Polen VdG sowie den gewählten Funktionsträgern der Gesellschaften in den Bezirken ein besonderer Dank.

In den über 25 Jahren seit der Wiederbelebung der deutschen Sprache in Schlesien haben wir aus Thüringen an diesem Bildungsprozess vor Ort aktiv teilgenommen und mitgewirkt.

Die verständigungspolitischen Seminare, Gespräche, Diskussionen und deutsch polnischen Jugendtreffen in den Woiwodschaften Opole und Schlesien waren aus unserer Sicht sehr erfolgreich.

Dafür sprechen der Verlauf, die inhaltlichen Ergebnisse und Festlegungen, die vor Ort an den einzelnen Tagen konkret erreicht wurden.

 

Verlauf, Ergebnisse und Festlegungen in den verständigungspolitischen Veranstaltungen in der Region Bierawa, Woiwodschaft Opole

·         Ein sehr interessantes deutsch polnisches Jugendtreffen mit 150 Teilnehmern fand am Gymnasium in Solarnia statt, an dem wir aus Thüringen uns aktiv mit Inhalten präsentierten. Thema dieser verständigungspolitischen Veranstaltung lautete: Unser Schulpatron Joseph von Eichendorff- ein bedeutender Europäer und weitere Schlesier, die für Europa besondere Leistungen vollbracht haben. Zahlreiche Gäste, Eltern, Repräsentanten der Gemeinde Bierawa sowie DFK Vertreter aus den einzelnen Ortschaften konnten zu dem deutsch polnischen Jugendtreffen begrüßt werden.

Ein Höhepunkt dieser Veranstaltung war die Ehrung der Deutschlehrerin Frau Darota Buczek. Frau Buczek wurde mit der Goldenen Ehrennadel des BdV Thüringen ausgezeichnet. Das Gymnasium aus Solarnia wird sich zum 6. Kulturfestival der Deutschen in Polen in der Breslauer Jahrhunderthalle mit einem Bildungsstand präsentieren.

 

·         Nach den Ehrungen des Vollender des Kölner Doms, Dombaumeister Ernst Friedrich Zwirner in seinem Geburtsort Jakobswalde, heute Kotlarnia, Gemeinde Bierawa mit einer zweisprachigen Gedenktafel und Straßenbenennung haben wir aus Thüringen einen Kontakt zwischen der Gemeinde Bierawa in Polen und der Wirkungsstätte des Dombaumeisters dem Kölner Dom in Deutschland hergestellt. Die Übermittlung von 6 Fotos sowie ein Heft  - Ernst Friedrich Zwirner, der Baumeister aus Jakobswalde -   wurden in das Archiv und die Bibliothek des Kölner Doms aufgenommen. Die Arbeitsgruppe Jugend und Schule im BdV Thüringen hat dazu dem Bürgermeister von Bierawa eine Kontaktmappe Kölner Dom – Gemeinde Bierawa in Polen für weitere Kontakte übergeben.

Die Gemeinde Bierawa plant bereits für 2019 für eine Delegation eine Busreise zum Kölner Dom.

 

·         Ein neues Projekt 2018 im Geburtsort des Kölner Dombaumeisters, Ernst Friedrich Zwirner, ist die Schaffung einer Gedenkstätte für seine Eltern und 11 Geschwistern auf dem heutigen polnischen Friedhof in Kotlarnia.  Die Zwirners lebten mit 12 Kindern in Jakobswalde, heute Kotlarnia. Die Familiengräber waren bis Anfang der 70 er Jahre des 20. Jahrhunderts auf dem Friedhof erhalten. Einige Gemeinderäte von Bierawa hatten mich, als ihren Ehrenbürger, vor einiger Zeit gebeten, einen Kontakt zum polnischen Pfarrer und seiner Pfarrgemeinde in Kotlarnia herzustellen und für das Projekt einer  Gedenkstätte zu werben. Es zeichnet sich vor Ort eine positive Zustimmung für eine Gedenkstätte ab, auch die polnische Dorfschulzin unterstützt das Vorhaben.

 

·         Zum Projekt Gedenkstätte gab es während unseres Besuches in der Gemeinde Bierawa ein deutsch polnisches Treffen mit dem Bürgermeister, Gemeindeabgeordneten und Vertretern der deutschen Minderheit und uns aus Thüringen. Zur Schaffung der Gedenkstätte auf dem polnischen Friedhof in Kotlarnia wurden  folgende Festlegungen getroffen: Ein Beschluss des Gemeindevorstandes der deutschen Minderheit von Bierawa für das Projekt Gedenkstätte liegt dem Gemeindeamt in Bierawa bereits vor, Fortsetzung der Nachforschungen über die Familie Zwirner im früheren Jakobswalde, es wird ein Komitee gebildet für die Organisation und Umsetzung des Projekts, Klärung des Projekts mit dem Denkmalamt, der Bürgermeister und der Gemeinderat unterstützen das Projekt ganz aktiv, das Projekt Gedenkstätte soll im Frühjahr 2019 vollendet sein. Auch an diesem neuen Projekt in der Gemeinde Bierawa sind wir aus Thüringen an der Idee und Mitwirkung aktiv mit beteiligt.

 

Verlauf, Ergebnisse und Festlegung in den verständigungspolitischen Veranstaltungen in der Region Ratibor, Woiwodschaft Schlesien.

In Ratibor wurden wir von der Referentin für Kultur und Bildung vom Bezirksvorstand des Deutschen Freundschaftskreises der Woiwodschaft Schlesien Frau Doris Gorgosch und Herrn Dr. Gonschior vom Eichendorffzentrum in Lubowitz begleitet.

 

·         Wir aus Thüringen trafen uns in der Aula vom Lyzeum und Eichendorffgymnasium in Ratibor mit 50 deutsch polnischen Jugendlichen und ihren Lehrern sowie Gästen.

Die deutschen und polnischen Jugendlichen präsentierten ihre Bildungseinrichtung in Ratibor unter dem Thema  - Eine Schule unterwegs in europäischen Ländern und Städten - . Wir aus Thüringen präsentierten den Jugendlichen und Gästen einige Inhalte über den Freistaat Thüringen. Seit Jahren kommen deutsche und polnische Jugendliche auch von diesen Ratiborer Schulen in den Sommerferien zur gemeinsamen BdV Jugendfreizeit nach Thüringen.

 

·         In einer Beratung mit der Schuldirektorin, Lehrern und Gästen wurden folgende Festlegungen getroffen: Das Lyzeum sowie das Eichendorffgymnasium von Ratibor werden sich zum 6. Kulturfestival der Deutschen in Polen in der Breslauer Jahrhunderthalle unter dem Europaaspekt mit einem Stand präsentieren, das Ratiborer Eichendorffgymnasium wird im Oktober am deutsch polnischen Jugendtreffen aller schlesischen Eichendorff- Schulen im Lubowizer Eichendorffzentrum teilnehmen und sich dort präsentieren.

 

·         Ein weiteres Treffen mit Schülern und Pädagogen hatten wir am 1. Minderheiten- Kindergarten und Grundschule der Woiwodschaft Schlesien in Studen bei Ratibor. Im Kindergarten vermitteln die Pädagogen den Kindern spielerisch die deutsche Sprache . An der Minderheitengrundschule waren wir überrascht, bereits in den unteren Grundschulklassen von den sehr guten deutschen Sprachkenntnissen der Schüler. Die Minderheitengrundschule in Studen ist auch eingebunden in alle Wettbewerbe, die der Bezirksverband des Deutschen Freundschaftskreises in der Woiwodschaft Schlesien organisiert. Minderheitenschulen in europäischen Ländern sind auch heute ein Erfolg für die deutsche Minderheit in Polen.

 

·         Im Sitz des Bezirksverbandes des Deutschen Freundschaftskreises in Ratibor konnten wir unsere verständigungspolitischen Gespräche mit dem Bezirksvorsitzenden Herrn Martin Lippa und seinen Mitarbeitern des Bezirksverbandes fortsetzen. Der Bezirksvorsitzende informierte uns an Beispielen über die bildungs- und kulturpolitische Arbeit. Er sagte: „Die Pflege der deutschen Kultur, Sprache und Tradition ist eine Hauptaufgabe des Deutschen Freundschaftskreises im Bezirk Schlesien.“ Wir aus Thüringen informierten über unsere 25 jährige kultur- und bildungspolitischen Auslandsarbeit an zahlreichen Beispielen in den Woiwodschaften Opole und Schlesien. Grundlage ist ein Freundschaftsvertrag mit dem VdG der Deutschen in Polen und dem BdV Landesverband Thüringen aus dem Jahr 1994. Ein Höhepunkt dieser verständigungspolitischen Beratung, war die Ehrung der Bezirksreferentin  für Kultur und Bildung  Frau Doris Gorgosch mit der Goldenen Ehrennadel  des BdV Landesverbandes Thüringen. Frau Gorgosch kommt seit 15 Jahren mit deutschen und polnischen Jugendlichen aus der Woiwodschaft  Schlesien  in den Sommerferien zur BdV Jugendfreizeit nach Thüringen.

 

·         Zum Abschluss unserer verständigungspolitischen Veranstaltung in Ratibor, der Woiwodschaft Schlesien führten wir noch ein Interview mit der Deutsch- Polnischen – Redaktion  Mittendrin  sowie der Zeitung  Oberschlesische Stimme. Hier berichteten wir als Arbeitsgruppe Jugend und Schule im BdV Thüringen über unsere erfolgreiche 25 jährige kultur- und bildungspolitische Auslandsarbeit im Ehrenamt in den Woiwodschaften Opole und Schlesien.

 

 

Arbeitsgruppe Jugend und Schule

im BdV Thüringen

Peter Gallwitz

Ehrenbürger von Bierawa in der Woiwodschaft Opole