Auf den Spuren von Eichendorff

Zum Gedenken seines 155. Todestages und zur Vorbereitung von Bildungsprojekten im Eichendorff-Jahr 2013 besuchte eine Delegation des BdV Landesvorstandes Thüringen und der AG „Jugend und Schule“ unter Leitung des Landesvorsitzenden Egon Primas und des OStR Peter Gallwitz die Eichendorff Gedenkstätte in Lubowitz.
 
 
Am 26. November d. J. jährte sich der 155. Todestag des oberschlesischen Dichters. Am 24. November wurden die Delegationsmitglieder als Ehrengäste bei einem Festgottesdienst in der Lubowitzer Kirche begrüßt. Drei geistliche Würdenträger und eine Vokalgruppe zelebrierten ein 1 ½-stündiges würdevolles, künstlerisches Erlebnis, größtenteils in deutscher Sprache. Die Kirchenbesucher waren geladene Vertreter der deutschen Minderheit in Schlesien und die Gestaltungskräfte der anschließenden Festveranstaltung im Eichendorff-Begegnungszentrum. Unter ihnen der Vorsitzende des Verband der deutschen sozial- kulturellen Gesellschaft in Polen Bernard Gaida, Vorsitzender der Bildungsgesellschaft der Deutschen in Polen, Bruno Kosak und die Vorsitzende des Wissenschaftlichen Rates der Eichendorffstiftung in Lubowitz Frau Prof. Dr. Rostropowicz.
 
Die Schüler der Eichendorff-Schulen Solarnia und Gregorsdorf präsentierten unter Anleitung deutscher Lehrerinnen ein inhaltlich vielgestaltiges deutschsprachiges Film-, Literatur- und Musikprogramm sowie Spielszenen aus der Zeit Joseph von Eichendorffs. Musik- und eine Gesangssolistin boten ein künstlerisch hochkarätiges Programm der deutschen Romantik. Schülerinnen sangen vielstimmig und spielten Lieder mit Eichendorff-Texten.
 
 
Das Programm war eine Lehrstunde lebendiger deutscher Romantik und eine niveauvolle Bilanz deutscher Kultur im polnischen Oberschlesien, wo 45 Jahre die deutsche Sprache verboten und die deutsche Kultur geächtet waren.
Unser Landesvorsitzender Egon Primas wurde mit der Ehrennadel des VdG ausgezeichnet, die für die nunmehr 18-jährige inhaltsreiche Bildungs- und Kulturarbeit zwischen dem BdV LV Thüringen und der AG „Jugend und Schule“ und dem VdG Oppeln, der Eichendorff-Stiftung und dem Wissenschaftlichen Rat verliehen wurde. Der Vorsitzende des VdG Herr Bernard Gaida dankte für die qualifizierte Förderung der Minderheitsrechte und der deutschen Kultur. Herr Bruno Kosak, der mit der Eichendorff Medaille geehrt wurde, sagte: „Was kann es besseres geben, als für seine Heimat zu arbeiten, nach Thüringen zu reisen und dort helfende Freunde zu treffen. Es ist ein Glück, solche guten Mitmenschen zu haben!“
 
 
Der Mitbegründer des Eichendorff Zentrums Blasius Handschuch, erhielt die hohe Auszeichnung für seinen mutigen Kampf für den Heimatgedanken und für das Recht seine Geschichte zu bewahren und für die Verehrung Joseph von Eichendorffs. „Eichendorff hat mich gelehrt, die Heimat zu lieben!“
 
In den Abendstunden haben führende Repräsentanten des VdG und die Thüringer Delegation mehrere gemeinsame Projekte für das Eichendorff Jahr 2013 vereinbart und die Inhalte beraten. Die Thüringer Delegation nutzte die Hin- und Rückfahrt sowie die freien Stunden zu Erkundungsfahrten in der Region Cosel und Ratibor.
 
  
 
 
Wir fotografierten die zahlreichen  2-sprachigen Ortsschilder, besuchten die am 23. November 2012 eingeweihte Gedenkstätte für den Arzt Arthur Nikolaier, den Entdecker des Tetanusvirus im Krankenhaus von Cosel, die neugotische Kirche in Lohnau, das neugotische Schloss in Wiegschütz, den Geburtsort des Erzbischofs Prof. Dr. Nossol in Walzen. Das sind Orte, Persönlichkeiten und Denkmale, die zur Erarbeitung neuer Lehrmaterialien für das Fach Landes- und Regionalkunde Schlesiens in deutscher Sprache verwendet werden.
 
 
Das Bildungsziel ist, Spuren bedeutender schlesischer Persönlichkeiten bewusst zu machen. 2013 werden Peter  Gallwitz, seine Frau Susanne und unser Kunstpreisträger Helmut Bednarek (im April) anlässlich des Eichendorff Jahres der Öffentlichkeit in Schlesien neue Unterrichtsmaterialien und eine Filmdokumentation über Joseph von Eichendorffs Leben und seine Wirkungen in der Gegenwart übergeben. Verantwortungsbewusst erfüllen wir diese Wünsche der Eichendorff-Stiftung, des Wissenschaftlichen Rates und des Kuratoriums in Lubowitz.  
 
Wilhelm Geretzky