Besuch unter Freunden

so lautet die Überschrift eines Artikels in der Zeitung der Deutschen in Polen „Wochenblatt“ vom 09.04.2014.

Aus Anlass der 20-jährigen Zusammenarbeit zwischen dem BdV-Landesverband Thüringen und dem Verband der deutschen Gesellschaften (VdG) in Polen hatte der VdG zu einer Festveranstaltung nach Oppeln eingeladen. Die Delegation des BdV-Landesverbandes Thüringen, der die Ehepaare Gallwitz und Bednarek angehörten, wurde vom stellvertretenden Landesvorsitzenden Horst Jüngling geleitet. Vor dem Treffen in Oppeln machte die Delegation in Breslau Halt, wo am 07. April Gespräche mit der Deutschen Sozialkulturellen Gesellschaft (DSKG) stattfanden. Im gemeinsamen Seminar mit 26 Teilnehmern wurden unter Leitung der stellvertretenden Vorsitzenden des VdG, Renate Zajaczkowska, Fragen der weiteren Zusammenarbeit erörtert. In dieser Veranstaltung wurde anlässlich ihres 80. Geburtstages die Schatzmeisterin des DFK Breslau, Edith Pischczan, mit der „Ehrennadel in Gold“ des BdV-Landesverbandes Thüringen ausgezeichnet. Herr Jüngling lobte die jahrzehntelange zuverlässige Arbeit und die große Einsatzbereitschaft der Jubilarin. Nach der Diskussion sahen die Seminarteilnehmer den Film „Thüringen, das grüne Herz Deutschlands“, der von dem Ehepaar Waltraud und Helmut Bednarek hergestellt und hier vorgeführt wurde. Die Anwesenden sprachen den Filmschöpfern ihren Dank aus und lobten die Verknüpfung der polnischen und deutschen Geschichte sowie die gelungene Präsentation der Sehenswürdigkeiten Thüringens. Am Seminar in Breslau nahmen Jacek Pilawa, Sejmik-Abgeordneter des Niederschlesischen Parlaments in Breslau, und der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde von Breslau, Alexander Gleichgewicht, teil. Sie interessierte besonders die eigens in diesem Film für Breslau dargestellte Verbindung von Juden aus Erfurt und Breslau. Nach der Vertreibung haben die deutschen Juden aus Breslau die Jüdische Gemeinde in Thüringen neu gegründet. Nach der Filmvorführung legte Herr Pilawa in Vertretung der Stadtverwaltung Ohlau/Olawa dar, wie die Arbeiten bei der gemeinsamen Sanierung des Jüdischen Friedhofs in Ohlau verlaufen.

Im Anschluss an dieses Seminar lud Herr Gleichgewicht (2.v.l.) die Delegation des BdV zu einer hochinteressanten Führung durch das jüdische Stadtviertel Breslaus in der ehemaligen Wallstraße ein. Es ist kaum zu glauben, welches Schmuckstück aus der total zerfallenen Synagoge „Zum Weißen Storch“ nach der Sanierung entstanden ist. Beim Rundgang durch die Synagoge trafen wir auch die Ehefrau von Herrn Gleichgewicht, Bente Kahan (links im Bild), die sich seit Jahren als weltbekannte Sängerin von jüdischen Liedern für die Gestaltung des Jüdischen Kulturzentrums engagiert. Am zweiten Tag unserer Schlesienreise, am 08. April 2014, fand, wie bereits eingangs erwähnt, die Festveranstaltung in Oppeln statt, an der 20 Persönlichkeiten der Deutschen Volksgruppe in Polen anwesend waren. In seiner Begrüßungsansprache würdigte der Präsident der deutschen Volksgruppe in Polen, Bernard Gaida, die 20-jährige Zusammenarbeit des BdV-Thüringen und des VdG im Interesse unserer Landsleute in Polen. Er dankte sehr herzlich für die vielfältigen Aktivitäten des BdV-Thüringen und die umfassende und hilfreiche Arbeit der Arbeitsgruppe „Jugend und Schule“. Die herzlichen Grüße zum Jubiläum überbrachte im Auftrag des BdV-Landesvorstandes Thüringen der stellvertretende Landesvorsitzende Horst Jüngling. Im Grußwort zog Herr Jüngling Bilanz der Zusammenarbeit seit 1994 und dabei wurde die Bereitstellung von vielen didaktischen-methodischen Lehr- und Arbeitsmaterialien durch die AG „Jugend und Schule“ unterstrichen. Er würdigte dabei besonders die Leistungen des Lehrerehepaares Susanne und Peter Gallwitz. Nach neuesten Berechnungen gibt es in Europa (mit Russland und der Türkei) ca. 300 ethnische Minderheiten, denen 100 Millionen Menschen angehören. Diese Problematik ist als noch sehr kritisch im EU- Raum anzusehen, denn die Missachtung der Volksgruppen und Minderheiten können zu offenen Konflikten führen. In seinen Ausführungen bezeichnete Herr Jüngling Joachim Niemann als einen Aktivisten der ersten Stunde. Er war es, der das Lehrerehepaar Susanne und Peter Gallwitz 1994 nach Bierawa holte, um dort den Deutschunterricht unter der Leitung von Muttersprachlern an den Schulen einzuführen und zu entwickeln. Herr Niemann hat sich unermüdlich für die Interessen der deutschen Volksgruppe nach dem Umbruch Osteuropas eingesetzt. In seiner Heimatgemeinde Bierawa wäre ohne seinen persönlichen Einsatz mancher gesellschaftlicher Höhepunkt nicht möglich gewesen. Seine Arbeit als Vorsitzender des Kuratorenrates der Eichendorff-Stiftung ist im Interesse der deutsche Sprache und deutschen Kultur von besonderer Bedeutung. Die Herren Bruno Kossak, Joachim Niemann und Peter Gallwitz wurden jeweils mit einer Ehrenurkunde des BdV-Landesverbandes durch Horst Jüngling ausgezeichnet. Die Zusammenarbeit betraf besonders die fünf Eichendorff-Schulen, denen jeweils bei der Namensgebung ein Eichendorff-Bild des Künstlers Helmut Bednarek übergeben wurde. Insgesamt hat Herr Bednarek 14 Bilder für Schlesien gemalt, die an würdigen Plätzen ausgestellt sind. Herr Jüngling hob hervor, dass die positiven Ergebnisse aber auch nur dadurch erreicht werden konnten, weil viele Persönlichkeiten des VdG und der Deutschen Bildungsgesellschaft alles getan haben, um der deutschen Muttersprache und der deutschen Kultur eine Wiedergeburt in Schlesien nach dem Fall des Eisernen Vorhangs zu ermöglichen. Der Redner nannte Bruno Kossak, der sich von Anfang an in vielen Funktionen mit viel Herzblut und Kompetenz für den Aufbau eines deutschen Schulwesens unermüdlich eingesetzt hat. Er forderte mit Nachdruck die Gründung bilingualer oder sogar deutscher Schulen für Tausende von Schülern in Oberschlesien.

Besonders würdigte Herr Jüngling die Leistungen des Präsidenten der deutschen Volksgruppe Bernard Gaida. Seit seiner Wahl zum Präsidenten am 11.05.2009 hat sich Herr Gaida unermüdlich für die Minderheitenrechte eingesetzt. Gemäß den Richtlinien der Europäischen Union für alle Minderheiten in den EU- Ländern sind einheitliche Kriterien verbindlich umzusetzen. Ebenso wichtig für die Identitätsfindung der deutschen Volksgruppe in Polen sind die vom Ehepaar Waltraud und Helmut Bednarek hergestellten und publizierten Filme. Die Filme über den „Kölner Dombaumeister Ernst Friedrich Zwirner“, über den „Pionier der Funktechnik Georg Graf von Arco“ und des „Deutschen Romantikers Joseph von Eichendorff“ tragen wesentlich zur Geschichte/Geografie und Kultur der Region Schlesien bei. Die AG „Jugend und Schule“ war aber auch in anderen polnischen Regionen für die deutsche Volksgruppe aktiv tätig. Das Wissenschaftlerehepaar, Frau Dr. Christine Manthey und Herr Prof. Dr. Fred Manthey, arbeiten in der Lehrerfortbildung und mit Informationsvorlesungen in Mohrungen in Ostpreußen und in Stettin in Pommern. Besonders intensiv wurden Spuren von Herder in einem Schülerwettbewerb „Von Mohrungen nach Weimar“ untersucht. Gottfried von Herder gehört neben Goethe, Schiller und Wieland zu den vier berühmten Weimarer Humanisten des 18./19. Jahrhunderts. Nach Sichtung der polnischen Presse am folgenden Tag konnten wir feststellen, dass unser BdV- Landesverband Thüringen in der Zeitschrift „Neue Tribüne Oppeln“ mit viel Lob zur Lehrmittelbereitstellung durch unsere AG „Jugend und Schule“ erwähnt worden ist. Zum Schluss wird eine gemeinsame fruchtbringende Zusammenarbeit in beiden Verbänden gewünscht mit dem Ziel, unseren Heimatregionen in einem freien, friedlichen und grenzenlosen Europa zu stärken. Horst Jüngling, Vorsitzender der Landsmannschaft Schlesien Landesgruppe Thüringen