Goethe in Schlesien

Der diesjährige Erfahrungsaustausch zwischen dem Verband der deutschen Gesellschaften in Polen (VdG) kann, wie in den vergangenen Jahren, als außerordentlich gelungen eingeschätzt werden.
Als Höhepunkt gestalteten sich die Feierlichkeiten zur Verleihung des Namens „Johann Wolfgang von Goethe“ an den bilingualen Schulkomplex in Cosel–Rogau (Kedzierzyn-Kozle) am 15.04.2015. Viele prominente Vertreter aus Politik, Kirche, staatlicher Verwaltung und dem deutschen Konsulat in Oppeln nahmen an dieser Namensgebung teil.
 
Den Auftakt zu dieser Veranstaltung bildete eine ökumenische Messe in der Pfarrkirche in Cosel-Rogau, die von dem Erzbischof Prof. Dr. Alfons Nossol zelebriert wurde.
Der Erzbischof stellte in deutscher und polnischer Sprache die Verbindung zwischen dem deutschen Dichterfürsten Goethe, Schlesien und Europa dar. Er gratulierte der Schule zu ihrem Patron Goethe, dessen Namen bisher nur eine Schule in Warschau trägt.
 
Nicht nur die Schule in Cosel-Rogau bereitete sich mit viel Eifer auf die Namensgebung vor, auch wir vom BdV- Thüringen e.V. kamen nicht mit leeren Händen. Federführend war dabei die Arbeitsgruppe „Jugend und Schule“. 
Das Ehepaar Waltraud und Helmut Bednarek hat den Film „Johann Wolfgang von Goethe - eine Reise von Weimar nach Schlesien“ geschaffen und der Schule zur Vorbereitung auf die Namensverleihung zur Verfügung gestellt. In diesem Film sind viele Ausführungen des Erzbischofs zu Goethe dokumentiert.
 
Unter großem Beifall enthüllten der Direktor der Schule und eine Schülerin das Bildnis Goethes, das der Künstler Helmut Bednarek gemalt hat und der Schule übereignete.
 
Viele anwesende Persönlichkeiten überbrachten ihre Glückwünsche zur Namensverleihung. Der stellv. Landesvorsitzende des BdV Thüringen, Horst Jüngling, übermittelte ebenfalls in seinem Grußwort die besten Wünsche des Landesverbandes.
Sehr beeindruckend war das anschließende Programm der Schüler, die in Trachten der Goethezeit Tänze fantastisch vorgeführt bzw, Goethegedichte rezitiert haben.
Besonders eindrucksvoll war die szenische Gestaltung des Gedichtes vom „Zauberlehrling“
Nach dem offiziellen Teil hatten die Schüler, Lehrer und Gäste die Möglichkeit, sich den o.g. Goethe-Film der Familie Bednarek anzusehen oder interessante Gespräche zu führen.
Gesprächspartner waren dabei die Schulleitung, der Erzbischof Prof. Dr. Nossol und der Präsident des VdG Bernard Gaida.
 
Am 16.04.2015 fand ein Integrationstreffen der Jugend und Lehrer der Eichendorffschulen aus dem Oppelner Schlesien im Eichendorff-Kulturzentrum in Lubowitz statt.
In dieser Veranstaltung präsentierten sich sehr niveauvoll die Eichendorffschulen von Salzforst und Gregersdorf mit künstlerischen Beiträgen. So wurde das Leben des Romantikers Eichendorff in Form von Liedern, Gedichten und Tänzen szenisch dargestellt.
Es konnte festgestellt werden, dass sich das Niveau der deutschen Sprache weiter erhöht hat und die Schüler mit großer Sicherheit und viel Selbstbewusstsein auftraten.
In dieser Veranstaltung wurde die Gelegenheit genutzt, den Künstler Helmut Bednarek mit der höchsten Auszeichnung der Eichendorffstiftung, der Eichendorff-Medaille, zu ehren. 
 
Bruno Kossak, Vorsitzender des Eichendorff-Vereins, würdigte in der Laudatio die langjährigen künstlerischen Verdienste von Herrn Bednarek. Aus seinem Schaffen stammen über zehn Portraits Eichendorffs und eines Goethebildes sowie weitere Gemälde, die den Schulen bzw. dem Eichendorff-Zentrum über-eignet wurden.
 
Auch verschiedene Filme, u.a. über Graf von Arco, Eichendorff, Zwirner und Goethe, sind wichtige Zeugnisse seines Schaffens für die deutsche Volksgruppe in Schlesien.
Die Übergabe der Medaille wurde von dem Vorsitzenden der Eichendorffstiftung, Martin Lippa (im Bild re.), und dem Vorsitzenden des Kuratorenrates, Joachim Niemann (im Bild li.), vorgenommen. 
 
Für besondere Verdienste bei der Zusammenarbeit zwischen dem Eichendorff-Kulturzentrum Lubowitz und dem BdV-Thüringen wurde der Geschäftsführer des Zentrums, Paul Ryborz, durch den stellv. Landesvorsitzenden des BdV-Thüringen, Horst Jüngling, mit der „Ehrennadel in Gold“ des BdV Thüringen ausgezeichnet.
Nach den Auszeichnungen sahen die Teilnehmer der Veranstaltung den Film der Familie Bednarek über Goethe.
In der anschließenden Diskussion wurde deutlich, dass die Zusammenarbeit zwischen den Eichen-dorffschulen weiter ausgebaut werden soll. Eine wichtige Etappe dazu kann die Präsentation aller Eichendorffschulen zum V. Kulturfestival der deutschen Volksgruppe im September 2015 in Breslau sein.
Wir schätzen ein, dass sich die Zusammenarbeit zwischen dem BdV Thüringen und dem VdG in Polen seit über 20 Jahren sehr gut entwickelt hat. Ein besonderer Dank gilt dem Bundesministerium des Inneren für die Unterstützung. Die beteiligten Partner sind sich einig, trotz geringer werdender finanzieller Mittel alles zu tun, die Partnerschaft weiter auszubauen.
 
Horst Jüngling
Landesvorsitzender der Landsmannschaft Schlesien, Landesgruppe Thüringen