Grenz├╝berschreitende Th├╝ringer BdV Projekte

Grenzüberschreitende Thüringer BdV Projekte für die Deutschen in Polen auf dem Weg in das 25. Jahr unserer Zusammenarbeit

 

Im Jahr 1994 wurde ein Freundschaftsvertrag zwischen dem BdV Landesverband Thüringen und dem Verband der sozialkulturellen Gesellschaften der Deutschen in Polen VdG abgeschlossen. Der Freundschaftsvertrag mit seinen Ergänzungen waren für uns immer eine wichtige Grundlage zur Zusammenarbeit mit der deutschen Minderheit in Polen.

Zu Beginn der folgenden Sachberichte möchte ich einmal einige Gedanken zum ersten bildungspolitischen grenzüberschreitenden Projekt des BdV Thüringen vor 25 Jahren im heutigen polnischen Schlesien äußern.

Für meine Frau Susanne und mich, Peter Gallwitz, sollte das erste BdV Projekt vor Ort in der Woiwodschaft Oppeln ein Jahr dauern. Den Deutschen in Polen musste bei der Wiederbelebung der deutschen Sprache unbedingt geholfen werden.

50 Jahre war die deutsche Sprache für die Deutschen in Polen verboten, besonders in den Woiwodschaften Oppeln und Schlesien, wo heute noch die Mehrzahl der deutschen Minderheit mit der polnischen Mehrheit wohnt und lebt.

Wir, Susanne und Peter Gallwitz, vom Thüringer BdV der Arbeitsgruppe Jugend und Schule gehörten damals mit zu den ersten Helfern bei der Wiederbelebung der deutschen Sprache aus dem Freistaat Thüringen und der Bundesrepublik Deutschland, die den Deutschen in Polen vor Ort aktiv geholfen haben.

 

Wir vermittelten die deutsche Sprache in Dziergowice, Stare Kozle, Bierawa und Brzezce in der Oppelner Region. Für diese deutsch - polnische Brückenbauertätigkeit von uns aus Thüringen gab es auch die volle Zustimmung vom polnischen Marschallamt der Woiwodschaft Oppeln. So begann vor 25 Jahren unser erstes bildungspolitisches Auslandsprojekt des BdV Thüringen in Polen.

Zu dieser Zeit gab es noch stundenlange Grenzkontrollen, die Republik Polen war damals noch nicht Mitglied in der europäischen Union.

 

 

Legitimation / Nachweis für deutsche Lehrer an polnischen Schulen 

 

  

Das Oberschlesische Eichendorff Kultur und Begegnungszentrum hat wieder zum Jahrestreffen aller schlesischen Eichendorff-Schulen und Institutionen, die den Namen Eichendorff tragen, nach Lubowitz eingeladen.

Im Eichendorffsaal trafen sich 60 deutsch polnische Jugendliche und Studenten sowie zahlreiche Gäste aus den Woiwodschaften Oppeln und Schlesien mit uns vom BdV Thüringen.

 

Der Leiter des Eichendorffzentrums, Paul Ryborcz, begrüßte alle Jugendlichen, besonders auch die zahlreichen Gäste und unsere Thüringer BdV Gruppe. Er eröffnete das deutsch- polnische Jahrestreffen 2018 in Lubowitz: Nach einem Thüringer BdV Grußwort von Horst Jüngling kam es gleich zu einem ersten kulturpolitischen Höhepunkt. Die Lubowitzer Eichendorff Stiftung hat die Eichendorff- Medaille 2018 an Norbert Schütz vom BdV Thüringen verliehen. Die Eichendorff- Medaille ist die höchste Kulturauszeichnung der Deutschen in Polen.

Die Ehrung erfolgte durch Frau Prof. Dr. Rostropowicz vom Stiftungsrat und Herrn Niemann vom Lubowitzer Kuratorenrat. In der Laudatio von Frau mgr. Wochnik Kukawska, Schuldirektorin aus Solarnia wird folgendes über den Geehrten gesagt:

„Seit dem Jahr 2003 leistet Norbert Schütz vom BdV Thüringen eine sehr erfolgreiche kulturpolitische Arbeit im Sinne des Dichters der Romantik Joseph von Eichendorff in Schlesien. Er entwickelte eine langjährige Zusammenarbeit BdV Thüringen mit dem Oberschlesischen Eichendorff Kultur und Begegnungszentrum in Lubowitz. Herr Schütz unterstützt seit Jahren die Eichendorff-Schulen in Schlesien.“

 

Weitere Information zu dieser hohen Ehrung findet man in der Zeitung Oberschlesische Stimme in der Woiwodschaft Schlesien.

 

 

Ein nächster Höhepunkt war die Ehrung von Joachim Niemann, ehemaliger Geschäftsführer des VdG der Deutschen in Polen und heute Vorsitzender des Lubowitzer Kuratorenrates, durch den BdV Thüringen für seine 25 Jahre Zusammenarbeit mit uns. Er ist auch ein aktiver Mitgestalter des Freundschaftsvertrages VdG der Deutschen in Polen und BdV Landesverband Thüringen aus dem Jahr 1994. Als VdG Geschäftsführer besuchte Niemann oft Thüringen, führte Gespräche im BdV Landesverband im Thüringer Landtag und war zu Gast beim damaligen Ministerpräsident Prof. Dr. Vogel. Er unterstützte mich, Peter Gallwitz, von der Arbeitsgruppe Jugend und Schule viele Jahre bei meinen zahlreichen Deutschlehrerseminaren in den Woiwodschaften Oppeln und Schlesien. Als Geschenk überreichten wir Herrn Niemann ein Ölgemälde vom Thüringer Kunstmaler Helmut Bednarek.

Danach präsentierten sich die deutsch- polnischen Jugendlichen von den einzelnen Schlesischen Eichendorff-Schulen mit ihren Programmen aus der Literatur ihres Schulpatrons.

Sie wählten Ausschnitte aus Eichendorffs Novellen das Marmorbild und aus dem Leben eines Taugenichts in hoher künstlerischen Qualität.

Alle Kulturbeiträge der Jugendlichen erfolgten in deutscher Sprache.

Wir von der Arbeitsgruppe Jugend und Schule aus Thüringen präsentierten den anwesenden Deutschlehrern und Schuldirektoren einige weitere didaktische Arbeitsmaterialien für den Unterricht zum Thema deutsch-polnische Gemeinsamkeiten in der Literaturgeschichte. Der polnische Nationaldichter Adam Mickiewicz besuchte im Jahr 1829 den deutschen Dichterfürsten, Johann Wolfgang von Goethe, in Weimar. Es war das Jahr des 80. Geburtstages von Goethe. Mickiewicz wohnte in Weimar im damaligen Gasthaus Elefant am Markt. In Weimar gab es einige Treffen der beiden Dichter. Noch heute findet man in der Klassikerstadt Weimar ein Denkmal von Adam Mickiewicz in Thüringen.

Die anschließenden Gespräche und Diskussionen machten deutlich, das deutsch- polnische Jahrestreffen 2018 der Jugendlichen und Studenten in Lubowitz war wieder eine gelungene kulturpolitische Veranstaltung im Geburtsort des Dichters der Romantik.

 

Am zweiten Tag folgten wir aus Thüringen einer Einladung an die Eichendorff-Schule in Grzegorzowice in der Region von Ratibor.

Erste Kontakte zu dieser schlesischen Eichendorff-Schule und uns in Thüringen gibt es bereits seit dem Jahr 2006, da haben wir an der Namensverleihung des Schulpatrons Joseph von Eichendorff teilgenommen. Weitere Kontakte und eine Zusammenarbeit folgten in den kommenden Jahren.

 

Wir sind in die festlich geschmückte Sporthalle eingeladen, dort erwarteten uns aus Thüringen 160 deutsch- polnische Schüler mit ihren Lehrern und der Schuldirektorin, Frau mgr Mariola Ciszek sowie Gäste von der deutschen Minderheit. Die Schüler boten uns ein Spitzenprogramm der schlesischen Kultur mit Gesang, Tanz sowie Ausschnitte aus Eichendorffs Novelle. Aus dem Leben eines Taugenichts etwas modern gestaltet. Alle Darbietungen erfolgten in deutscher Sprache.

 

 

Ein Höhepunkt dieser deutsch- polnischen Schulveranstaltung war die Ehrung der Schuldirektorin, Mariola Ciszek, mit der goldenen Ehrennadel des BdV Thüringen.

Die Schuldirektorin bedankte sich für die hohe Ehrung vom BdV aus Thüringen und freut sich auf eine weitere gute Zusammenarbeit mit der Arbeitsgruppe Jugend und Schule.

 

 

Unsere Thüringer BdV Gruppe folgte einer Einladung vom Bürgermeister Ficon und dem Gemeinderat nach Bierawa.

 

 

Wir trafen uns im Rathaus der Gemeinde Bierawa mit deutschen und polnischen Abgeordneten, dem Bürgermeister und Vertretern vom Gemeindevorstand der deutschen Minderheit zur einer Gesprächs- und Diskussionsrunde zu folgenden Themen:

Was wurde bisher zur Ehrung des Vollenders des Kölner Doms, Dombaumeister Ernst Friedrich Zwirner in seinem Geburtsort Jakobswalde, heute Kotlarnia, in der Gemeinde getan? Wie können die Reste des ehemaligen deutschen evangelischen Friedhofs im Geburtsort von Zwirner zu einer würdigen Gedenkstätte gestaltet werden? Auf dem alten evangelischen Friedhof befand sich bis zur Zerstörung Anfang 1970 auch die Grabstätte von Zwirners Eltern.

 

Was wurde bisher erreicht?

Eine Gedenktafel für Ernst Friedrich Zwirner wurde an der Kirche in Kotlarnia angebracht. Die Straße vor der Kirche wurde nach ihm benannt. Neuauflage der Broschüre der Baumeister aus Jakobswalde ist erfolgt. Ein Kontakt Gemeinde Bierawa zum Kölner Dom ist hergestellt.

 

In den weiteren Gesprächen ging es um Vorschläge zur Gestaltung des alten evangelischen Friedhofs zu einer Gedenkstätte in Kotlarnia. Auch wir aus Thüringen beteiligten uns an dieser Diskussion. Für die weitere Zusammenarbeit mit dem polnischen Pfarrer der polnischen Pfarrgemeinde sowie dem Dorfschulzenamt in Kotlarnia übergaben wir aus Thüringen dem Bürgermeister zwei Zwirner-Filme in polnischer Sprache.

 

 

 

 

Im Anschluss an die gemeinsame Beratung besuchten wir den Geburtsort von Dombaumeister Zwirner sowie die Reste des ehemaligen deutschen evangelischen Friedhofs im heutigen Kotlarnia.

 

Der Gemeinderatsvorsitzende, Joachim Morcinek, zeigte und erklärte uns vor Ort die Größe des ehemaligen deutschen evangelischen Friedhofs in Jakobswalde bis zum Ende des
zweiten Weltkrieges 1945.

 

Danach besichtigten wir, was noch vom alten evangelischem Friedhof übriggeblieben ist sowie noch vorhandene Grabplatten.

 

 

Für die Eltern von Zwirner wird eine neue Grabplatte in der Gedenkstätte alter evang. Friedhof aufgestellt. Die Errichtung dieser Gedenkstätte im Geburtsort von Dombaumeister Ernst Friedrich Zwirner ist ein weiterer Beitrag zur deutsch- polnischen Regionalgeschichte im Territorium von Bierawa. Auch wir aus Thüringen wirken dabei wieder aktiv mit.

Die Einweihung der Gedenkstätte ist im November 2019, am Buß- und Bettag in Kotlarnia und wir aus Thüringen sind vor Ort mit dabei.

 

Die Arbeitsgruppe Jugend und Schule im BdV Thüringen möchte sich beim BMI in Berlin für die Förderung unserer grenzüberschreitenden Projekte in Polen bedanken.

 

Der Thüringer BdV leistet mit seinen Projekten in den polnischen Woiwodschaften Oppeln, Schlesien und Nordpolen einen wichtigen bildungs- und kulturpolitischen Beitrag zur weiteren Vertiefung der deutsch-polnischen Zusammenarbeit in den Regionen.

 

 

Peter Gallwitz, Leiter der Arbeitsgruppe Jugend und Schule im BdV Thüringen