Peter Gallwitz erhielt Ehrenb├╝rgerschaft in Polen

Peter Gallwitz erhielt Ehrenbürgerschaft in Polen

Einstimmig habe der fünfzehnköpfige Gemeinderat - bestehend aus zehn Polen und fünf Deutschen - dafür gestimmt, freut sich der Achtzigjährige über die ihm entgegengebrachte Wertschätzung. Vor 25 Jahren war daran noch nicht zu denken. Denn Peter Gallwitz hilft dabei, eine Sprache zu unterrichten, die nach dem Zweiten Weltkrieg in der Region verboten wurde: Deutsch.
Erst nach der Wende und den politischen Umwälzungen im Osten Europas, fiel das Verbot. Plötzlich wurden gar Lehrer gesucht, die deutschstämmige Kinder - deren Familien zu den wenigen verbliebenen oder zu den zurückgekehrten zählten - die Worte ihrer Vorfahren lehren. Peter Gallwitz und seine Frau Susanne lasen Anfang der Neunzigerjahre in der hiesigen Tageszeitung von diesem Aufruf des BdV - und zögerten nicht lange.
Beide stammen aus Schlesien, ihre deutschsprachigen Familien mussten in den Kriegsjahren aus der Region flüchten. "Im Januar 1945 mussten wir raus; bei Chemnitztrafen Bomben den Zug", erinnert sich Susanne Gallwitz. Ihr weiterer Weg führte nach Thüringen, auf die Fahner Höhe. Dort lernte sie ihren späteren Mann Peter kennen.
Das Paar fand in Erfurt eine neue Heimat, sie unterrichtete in Schloßvippach, er in Kerspleben, leitete dreißig Jahre lang die dortige Schule. Das Angebot, ihre schlesischen Wurzeln mit ihrem Beruf zu verbinden, konnten sie nicht ausschlagen. Mit weiteren Mitgliedern des Bundes der Heimatvertriebenen (BdV) fahren sie seitdem Jahr für Jahr regelmäßig über die deutsch-polnische Grenze, den Kofferraum gefüllt mit tausenden von Schulbüchern.
"Wir wollten den Schülern ihre Heimat wieder nahebringen und entwickelten Unterrichtsmaterial, indem wir Wortschatz und Grammatik mit Landeskunde verbanden", blickt Gallwitz zurück. Dabei half ihm ein anderer Schlesier: Joseph von Eichendorff. Die Werke des Romantikers, 1788 auf dem Schloss Lubowitz bei Ratibor geboren, seien lange Zeit in Polen verboten gewesen, sagt Pädagoge Gallwitz.
Inzwischen haben mehrere Schülergenerationen mit dem Eichendorff-Büchlein des Erfurters über Lyrik, Liebe, Geschichte und Sprache gelernt. Auch Filme über Thüringenfanden Eingang in den Unterricht, der auch bei erwachsenen Schülern auf Gegenliebe stieß.
"Wir waren gute Brückenbauer zwischen Polen und Deutschland, zwischen Schlesien und Thüringen", sagen Susanne und Peter Gallwitz. Und sie sind es noch immer: Seit einigen Jahren gibt es einen lebendigen Schüleraustausch sowie weitere Projekte, teils unterstützt vom Kultusministerium oder vom Generalkonsulat Breslau. "Das ist das Beste - wenn Schüler Land und Leute selber kennenlernen können", sagt Peter Gallwitz. (Auszug aus der Thüringer Allgemeinen)

Am 3. Oktober war es dann soweit. Peter Gallwitz wurde in einer Feierstunde zum Ehrenbürger der Gemeinde Bierawa ernannt.
Viele Glückwunschschreiben erhielt der zu recht stolze Pädagoge: vom Präsident des Verbandes der deutschen sozialkulturellen Gesellschaften in Polen, vom Landrat des Kreises Kozle, vom Vorstand der der Deutschen Bildungsgesellschaft und natürlich vom Vorsitzenden des BdV in Thüringen.