Reise nach Schlesien

 Der BdV Ortsverband Breitungen dankt dem Landrat von Schmalkalden-Meiningen, Peter Heimrich. So etwas Gutes erlebt eine BdV Gruppe nicht alle Jahre.

Zur Weihnachtsfeier 2016 schenkte der Landrat des Kreises Schmalkalden- Meiningen dem BdV Ortsverband Breitungen eine 4-Tage-Reise nach Oberschlesien. Der Ortsverband hatte im Rahmen des BdV Schülerwettbewerbes gemeinsam mit der Regelschule einen Schülerbesuch an der Eichendorff Schule in Solarnia (Oberschlesien),  DVD-Dokumentationen und ein Schülerprojekt zur Abschlussprüfung einer 10. Klasse organisiert und öffentlich präsentiert.

Von Sonntag dem 28. Mai bis Mittwoch dem 31. Mai 2017 erlebten 21 Heimatfreunde eine phantastisch schöne und lehrreiche Bildungs- und Begegnungsreise. Es passte einfach alles zusammen. Der Sonntag auf der 700 km weiten Hinreise ohne LKWs auf der A 4. Die Zusammensetzung der Reisegruppe, die sich auf Schlesien und die Menschen freute. Die blühende Landschaft , die sauberen Orte, die 2-sprachigen Ortsschilder und die aufmerksamen, freundlichen Menschen, die uns deutsch sprechen hörten und gleich Auskünfte gaben. Für die gute organisatorische Vorbereitung des Reiseprogramms danken wir der Frau Schellenberg im Büro des Landrats, Helga Schleicher von Breitungen, die gute Freunde im Partnerort Cisek kennt und Norbert Schütz aus der BdV Landesgeschäftsstelle Erfurt, der häufig in Oberschlesien tätig ist.

Während der Reise informierte der gebürtige Schlesier Horst Jüngling, stellvertretender BdV Landesvorsitzender und Mitglied der AG „Jugend und Schule“ Erfurt, über geschichtliche und aktuelle Ereignisse, die grenzüberschreitende Zusammenarbeit, über Orte und Persönlichkeiten. Selbst der Busfahrer, Uwe Lienert, wurde zur Gestaltungskraft während der Fahrt und in den besuchten Orten.

Erster Zielort war die Eichendorff Gedenkstätte in Lubowitz, wo uns der Geschäftsführer Paul Ryborz die Zimmer zuteilte und für das Abendessen gesorgt hatte. Er ist ein guter Freund unseres Landrates, er begleitete uns am 2. Besuchstag nach Cisek und am 3. Tag in die Eichendorff Mühle in Blasewitz. Interessante Informationen und viele passende Lieder machten die Reisestationen zu einem echten Erlebnis. Natürlich war Paul Ryborz auch unser Chefdolmetscher. Im Lubowitzer Bankettsaal des Eichendorffzentrums feierte eine Großfamilie Geburtstag. Wir wurden sofort mit Wodka begrüßt und Helga Heimrich, die Mutter unseres Landrates – auch eine Schlesierin aus Ziegenhals – servierte uns noch die folgenden Abende den Geburtstags-Wodka, wozu Schlesier- und Heimatlieder gesungen wurden.

 

 

Hauptbesuchsort war Cisek, die Partnergemeinde Breitungens, seit dem 6. September 2002. Empfang im neu erbauten Gemeindeamt mit den Flaggen der EU, der Gemeinde Cisek und in der Mitte die Fahne von Breitungen.

 

 

 

 

Der seit damals noch amtierende Bürgermeister Aloyzy Parys und seine Sekretärin empfingen uns mit schlesischem Streuselkuchen, mit Quark und Rosinen. Es sind Menschen, die man einfach gern haben muss.

Wir überreichten unsere Gastgeschenke: Ein Schreiben des Breitunger Bürgermeisters, Jubiläumstassen vom 90. Gründungsjubiläum des Breitunger Rathauses, eine DVD zur Erzählung „Das doppelte Lottchen“ nach Erich Kästner und zahlreiche Kinderbücher in deutscher Sprache. Damit verbinden wir den Wunsch nach herzlichen und dauerhaften Beziehungen. 

 

 

Aloyzy Parys, Barbara und Paul Ryborz begleiteten uns in einen neu erbauten Kindergarten mit 100 Plätzen, dem unsere 3 Meininger Reiseteilnehmer Elfi und Wolf-gang Storm und Egon Bähr ebenfalls Kinderbücher übergaben.

Ordnung, Sauberkeit, Ausstattung, Erzieherinnen und Kinder, die uns ein Programm präsentierten, zeigten uns das hohe Niveau der Betreuung, Erziehung und Bildung.

 

Die 3. Station war der Besuch der Bartholomäus Kirche im Ortsteil Lang/Lohnau. Weiter ging es in das neu erbaute Feuerwehrdepot, von denen es 8 in der Gemeinde gibt, sie sind Sieger in internationalen Ausscheiden. Die Feuerwehrleute berichteten in deutscher Sprache. Danach erwartete uns ein schlesisches Mittagessen in einer neuen Speisegaststätte inmitten einer paradiesisch gestalteten Landschaft. Den Rest des Tages führte uns Paul Ryporz durch die Eichendorff Gedenkstätte, in der wir gute Exponate sahen, die wir zur Ausgestaltung des Schlesierzimmers am Altvaterturm bei Lehesten übernehmen können. Im Eichendorff Museum unterwegs standen plötzlich unser Landrat Peter Heimrich und sein Fahrer Jürgen Nößler unter uns.

 

Breitungen – Lubowitz und Cisek sind seit 15 Jahren echte Freunde geworden. Die Verbindungen mit diesen Menschen geben dem Leben seinen eigentlichen Wert. Und niemand darf uns hindern einander zu achten, zu helfen und gern zu haben.

Am 3. Reisetag besuchten wir die renovierte Wassermühle in Blasewitz. Schon auf dem Weg zu ihr sangen wir mit Paul Ryborz vertraute Heimatlieder „Wem Gott will rechte Gunst erweisen“ und zum Abschied das Lied „In einem kühlen Grunde“. In Ratibor empfing uns Dr. Josef Gonschor, ein geschichtskundiger, aktiver Vertreter der „Deutschen Minderheit“. Seit 1994 ist er ein zuverlässiger Betreuer und Berater der BdV Delegationen der AG „Jugend und Schule“, vor allem bei Bildungsprojekten mit den 5 Eichendorff Schulen, dem Lyzeum in Ratibor und mit der Johann Wolfgang Goethe Schule in Rogau. Die Stadtführung begann beim Eichendorff Denkmal und endete am Oderfluss. Nahestehende Passanten lauschten aufmerksam unseren Gesprächen und halfen sofort in deutscher Sprache.

Diese Reise motiviert uns, die sozial-kulturelle Tätigkeit anspruchsvoll fortzusetzen, damit dem BdV Landesverband Autorität zu geben und die grenzüberschreitende Zusammenarbeit zu sichern. Beide Völker haben die Aufgabe, die Geschichte vor dem Vergessen zu retten! Das Wissen um die böse deutsch-polnische Vergangenheit muss als Mahnung wach gehalten werden. Wer, wenn nicht wir, die besonders Betroffenen, sollten es tun!?