K├Âlner Dombaumeister wieder in Schlesien

Eine Fahrt in die Heimat bedeutet stets ein großes Ereignis, zumal wir nicht mit leeren Händen
auf die Reise gehen.
Auch in diesem Jahr hatte die Arbeitsgruppe „Jugend und Schule“ des Landesverbandes Thüringen des BdV, gemeinsam mit der Landesgruppe der Schlesier, volles Gepäck nach Oberschlesien mitgenommen.
Das didaktische Lehrmaterial für den Deutschunterricht an schlesischen Schulen, das nicht genug gewürdigt werden kann, das von dem Erfurter Ehepaar Gallwitz erarbeitet wurde, stellt nach wie vor einen unschätzbaren Beitrag bei der Förderung der deutschen Sprache innerhalb der deutschen Minderheit dar.
Es ist erstaunlich und anerkennenswert, was seit dem Zusammenbruch der kommunistischen Diktatur in Polen, die alles Deutsche leugnete und unterdrückte, in der Nachwendezeit auf dem Gebiet der deutschen Sprache in Oberschlesien geschaffen werden konnte. Dies war zuletzt auch ein Verdienst der Arbeitsgruppe „Jugend und Schule“ des Landeverbandes Thüringen. Werke von Joseph von Eichendorff, Gerhart Hauptmann und Gustav Freitag sind heute Bestandteil des Regionalkundeunterrichts an schlesischen Schulen.
 
Nach dem im vergangenem Jahr im oberschlesischen Großgorschütz, bei Anwesenheit der polnischen Medien, der Film von Helmut Bednarek über den „Vater des deutschen Rundfunks“, Georg Graf von Arco gezeigt wurde, war auch in diesem Jahr ein weiterer Höhepunkt geplant.
 
Anlass war die Veranstaltung zum 20-jährigen Bestehen des Partnerschaftsvertrages zwischen der Gemeinde Bierawa (OS) und Ostfildern (Baden-Württemberg).
In Jacobswalde (poln. Kotlarnia), das heute zu Bierawa gehört, wurde der große Baumeister und Vollender des Kölner Doms geboren. Die Bürger von Jakobswalde haben vor 5 Jahren dem berühmten Sohn ihrer Gemeinde eine Gedenktafel an ihrer Kirche angebracht.
Helmut Bednarek hat mit seiner Frau in monatelanger Recherchearbeit einen Film über das Leben und Wirken von Friedrich Zwirner in deutscher und polnischer Sprache gemacht. Zwei Oberschlesier, Friedrich Zwirner und Joseph von Eichendorff, wurden zu den größten Verfechtern des Wiederaufbaus des Kölner Doms.
Es ist Zwirner zur verdanken, dass am 15. Oktober 1880 nach 800 Jahren der Kölner Dom vollendet wurde, welcher zu den größten kulturellen und architektonischen Werken in der Menschheitsgeschichte zählt.
Dass der Kölner Dom auch die Bombenangriffe im Zweiten Weltkrieg überlebte, ist auch der genialen Idee des oberschlesischen Baumeisters zu verdanken. Der von Zwirner angebrachte Eisendachstuhl rettete den Dom vor einer totalen Zerstörung. Er setzte sich mit seiner Idee gegenüber den Domförderern durch, die einen Holzdachstuhl forderten und hat sich letztendlich mit seiner Idee durchgesetzt und somit den Dom vor einer Zerstörung gerettet.
Dies und vieles mehr wurden in dem Film anschaulich dargestellt.
 
Die Uraufführung fand zunächst in der zweisprachigen Eichendorff-Schule in Solarnia statt.
Zuschauer waren Schüler und Lehrer der Eichendorff-Schulen der Wojewodschaft Oppeln und Vertreter der Deutschen Minderheit. Auf besonderen Wunsch wurde dieser Film am gleichen Tag in den Kirchenräumen von Nendza / Ratibor (Deutsch: Buchenau) aufgeführt.
 

Festveranstaltung in Bierawa
 
Höhepunkt war die bereits erwähnte Feierlichkeit zum 20-jährigen Bestehen des Partnerschaftsvertrages zwischen der Gemeinde Bierawa (OS) und Ostfildern (Baden Würtenberg).
Die Gäste aus Ostfildern haben zu diesem Anlass eine Ausstellung des Oberschlesischen Museums Ratingen über Friedrich Zwirner präsentiert. Die Gastgeber haben ein großartiges Programm vorbereitet. Auch an das leibliche Wohl wurde mit schlesischen Spezialitäten, von Grützwurst, dem Schlesischen Mohnkuchen und Spanferkel gedacht.
 
Aus Zeitgründen wurde die 5. Filmvorführung Opfer des überfrachteten Programms mit den „nicht endenden“ Reden. Letztendlich beschränkte man sich auf die Übergabe des Filmes an den Bürgermeister mit dem Wunsch, wenn die Hektik der Feierlichkeiten vorbei ist, diesen den Einwohnern in Bierawa zu zeigen. Was dieser auch freundlich zu Kenntnis nahm. Trotzdem, alles in allen ein sehr gelungenes Fest. 
 

Übergabe des Films in polnischer Sprache an den Bürgermeister der Gemeinde von Birawa
 
 
Bei der Begegnung mit den Gästen der Schlesischen Landsmannschaft aus Baden Württemberg und den Vertretern des Oberschlesischen Museums Ratingen konnten wertvolle Erfahrungen ausgetauscht werden, wobei diese über die Aktivitäten der Thüringer Landesgruppe ihr Erstaunen zum Ausdruck gebracht haben und an einer Zusammenarbeit sehr interessiert waren. Ein großes Kompliment für die Arbeitsgruppe „Jugend und Schule“.