Gemeinsame Sanierung des Jüdischen Friedhofes in Oława (Ohlau) / Polen

Anlässlich der Übergabe der Finanzbereitstellungs- Garantie am 23.10.13 im Rathaus O┼éawa, reiste eine Delegation des BdV Landesverbandes Thüringen unter Leitung des Thüringer Landtagsabgeordneten Egon Primas, Landesvorsitzender und stellvertretender Bundesvorsitzender der Ost- und Mitteldeutschen Vereinigung, Union der Vertriebenen und Flüchtlinge.
 
 
Die Thüringer Delegation bei der Besichtigung des Friedhofes.
 
Auf Initiative unseres schlesischen Heimatfreundes Heinz Scholz aus Blankenhain in Thüringen, wurde die Idee zur Sanierung des Jüdischen Friedhofes geboren, den seine Enkelkinder fotografiert haben.
 
Der BdV- Regionalverband Weimar und der BdV- Landesverband Thüringen haben sich deshalb zur Aufgabe gestellt, im Jahr 2013 den Jüdischen Friedhof in Ohlau /O┼éawa im polnischen Schlesien gemeinsam mit der polnischen Stadtverwaltung und der Jüdischen Gemeinde von Breslau/ Wroc┼éaw 2013 zu sanieren.
 
Der ehemalige deutsche Jüdische Friedhof befindet sich in einem erschreckenden Zustand, so dass alle 3 Partner sich gemeinsam verpflichtet haben, ihren Beitrag zur Deutsch- Jüdisch- Polnischen Verständigung und Versöhnung zu leisten.
 
Die planerischen Vorbereitungen und Verhandlungen zur Sanierung dieses bedeutsamen Jüdischen Friedhofes laufen seit 2011, und bereits am 12.06.2012 wurde der Kooperationsvertrag zwischen der Stadt O┼éawa /Polen und dem BdV- Regionalverband Weimar unterzeichnet.
 
Mit der Gesamtplanung der Gedenkstätte wurde von polnischer Seite ein Architekturbüro in Wroc┼éaw /Breslau beauftragt, dessen Entwurf die Gesamtkosten beinhalten und nun vorliegt.
 
Es konnte erst das Architekturbüro beauftragt werden, nachdem der Rabbi der Jüdischen Gemeinde in Warschau (zur Wahrung der jüdischen Tradition) seine Zustimmung gab.
 
Auf diesem Friedhof sind Vorfahren der Ehefrau des Nobelpreisträgers Thomas Mann und weiteren Persönlichkeiten von Schlesiern jüdischen Glaubens begraben worden.
 
Die Familie der Ehefrau Katharina Mann, geborene Pringsheim, war in Schlesien sehr angesehen.
 
Während der national- sozialistischen Diktatur hat die Familie viel Leid erlitten. Auf dem 1833 in Ohlau gegründeten Jüdischen Friedhofs sind nachgewiesen ,durch erhaltene Grabsteine mit hebräischen Inschriften, Angehörige der Familie Pringsheim beigesetzt. Allein aus dieser Familie wurden 10 Angehörige durch Deportation in den Vernichtungslagern der Nationalsozialisten umgebracht.
 
Die Schwiegereltern Thomas Manns, das Ehepaar Alfred und Hedwig Pringsheim, wurde durch brutale physische und psychische Verfolgung, Entrechtung und Enteignung ins Exil getrieben, wo sie in Zürich / Schweiz 1941 bzw. 1942 starben.
 
Die Jüdische Gemeinde von Breslau / Wroc┼éaw hat ihre konstruktive Mitarbeit am Projekt verbindlich erklärt.
 
Die drei Partner, die Stadtverwaltung von O┼éawa /Ohlau (Oberbürgermeister Franciszek Pazdziernik, Bildmitte) , die Jüdische Gemeinde von Wroc┼éaw / Breslau (Vorsitzender Aleksander Gleichgewicht, links) und der BdV- Landesverband Thüringen (BdV Landesvorsitzender Egon Primas, rechts im Bild) leisten bei der Restaurierung dieses bedeutenden Friedhofs in O┼éawa einen würdigen Beitrag in unserer ehemaligen Heimat mit den polnischen Bürgern und polnischen Bürgern jüdischen Glaubens zur Verständigung und Versöhnung im nunmehr freiem Europa.
 
Die Landsmannschaft Schlesien, Landesverband Thüringen hat von Beginn an diese Maßnahme aktiv unterstützt und dabei stets mit dem aktiven Sejmik- Abgeordneten des niederschlesischen Parlaments in Breslau, Jacek Pilawa, konstruktiv zusammengearbeitet.
 
Herr Pilawa setzt sich seit Jahren mit vielfältigen Initiativen und hoher Kompetenz für die Verständigung und Versöhnung zwischen Polen und Deutschen ein.
Es ist sein Verdienst, dass in fast allen Ortschaften des Kreises Ohlau / O┼éawa für die verstorbenen ehemaligen deutschen Bewohner würdige Gedenkstätten geschaffen wurden.
 
Er ist ein Freund der deutschen Volksgruppe in Polen und unterstützt besonders die Deutsche Sozialkulturelle Gesellschaft in Breslau.
 
Als polnischer Partner und Projektleiter hat er entscheidenden Anteil an der Verwirklichung der von Mitgliedern der Ortsgruppe Blankenhain des BdV- RV Weimar entwickelten Idee, eine Ausstellung über die erreichten Ergebnisse der vergangenen 20 Jahre zu erarbeiten.
 
Die Thüringer Delegation im Rathausfestsaal von Olawa (Ohlau) / Polen
v.r.: Thomas Unger, Egon Primas, Horst Jüngling, Clarsen Ratz und Heinz Scholz.
 
Dabei wurden konkrete Dialogergebnisse der Verständigung in deutscher und polnischer Sprache dargestellt.
Die Ausstellung unter dem deutschen Titel „Schlesien, das Land, das Menschen miteinander verbindet“, mit 16 Schautafeln, wurde mehrmals in Thüringen und bundesweit mit großem Interesse präsentiert.
 
Diese Sanierung des Deutschen Jüdischen Friedhofs stellt einen weiteren wichtigen Aspekt
der Arbeit der Schlesier Thüringens für ihre Heimat Schlesien dar.
 
 
Horst Jüngling
 
Landesvorsitzender der Landesgruppe
der Schlesier in Thüringen im
BdV- Landesverband Thüringen e.V.