Landesfrauentagung 10.05.2013 in Jena

Eine erfolgreiche Begegnung
 
Der BdV Landesfrauenverband hatte, wie alljährlich, zu einer Begegnungsveranstaltung geladen. So fanden sich am 10. Mai 2013 in Jena "Zum Schwarzen Bären" 44 Frauen, mehr als erwartet, ein. Das zeigt uns, dass nach wie vor Interesse besteht, gemeinsam mit Gleichgesinnten sich der Frauenarbeit zu stellen. Dazu sind Informationen notwendig, die über die der Medien hinausgehen, die anknüpfen an die Probleme des miteinander Lebens und Antwort auf diese Fragen geben.
Ganz bewusst lautet das Motto für 2013 "Unser Kulturerbe - Reichtum und Auftrag". Nach herzlichen Begrüßungsworten durch die Landesvorsitzende, Margarete Schönfeldt, wurde am Beispiel der Lyrik durch Vortrag gezeigt, wie gut gewählte Worte die Seele beflügeln können. Goethes "Osterspaziergang" aus Faust I zeigte seine Wirkung. Desgleichen Anita Buchheims Verse über "Die Frauenhände". Ingrid Haase, Eisenberg, stellte ihre Kindheitserinnerungen aus ihrem Buch "Lebe wohl, mein Königsberg" vor. Es wurde ihr bestätigt: Schreiben-Festhalten von Erinnerungen, Weitergeben, an die Enkelgeneration denken, damit nichts verloren geht und vergessen wird.
Zur "kulturellen Identität der Sudetendeutschen" sprach Frau Kretschmer, Wetzlar. Eine Vielzahl von Beispielen konnte sie aufzählen, wie kulturelle Identität bereits in der Heimat bewusst durchlebt wurde. Die Sudetendeutschen waren im Natur deutsche Sachsen, deutsche Schlesier, erst später schlossen sie sich zusammen als Sudetendeutsche. Auch sie appellierte Mundarten, Volksmusik, Trachten, Baukünste und die Vielfalt anderer Künste zu bewahren und zu sichern. "Noch sind wir da!" Aus Hessen stellte sie ein Stehcafé mit Fragen und Antworten vor, das Vertriebene nutzen, um nachfolgende Generationen zu erreichen.
Frau Herlt, Jena trat als Mundartsprecher auf.
Margarete Ritter, Kindelbrück stellte in ihrem Referat die Frage: "Geistig kulturelle Integration oder Identitätswahrung?" Sie erläuterte am Beispiel, dass die prägenden Erlebnisse der Vertriebenen und auch die der Aussiedler jeweils ihre Identität bestimmen. Die Erlebnisgeneration der Vertreibung ist zwar integrierbar, und sie ist auch eingegliedert worden, aber sie ist nicht assimilierbar auf Grund ihrer Identität. Die nachfolgende Generation gehört nicht zu den "echten Vertriebenen/Aussiedlern" und es wird ihnen ihr Bekenntnis zur Heimat ihrer Eltern alles andere als leicht gemacht. Hinzu kommt, dass es der Elterngeneration nicht gelungen ist, sie in ihr Gedankengut einzubeziehen. Jetzt und heute sind wir bei der Enkelgeneration gefragt. Viele Enkel wissen gar nicht, welche Bedeutung es hat, dass ihre Wurzeln im Osten liegen! Deshalb sind viele Frauen als Zeitzeugen in Schulen gefragt. Möge es zur Normalität in Deutschland werden, was Herkunft aus dem Osten als kulturelle Bereicherung versteht, um diese geistig-kulturellen Errungenschaften als Brückenfunktion nach Osten hin nutzen zu können.
 
 
Über "Die Tradition und ihre Bedeutung" referierte Elisabeth Krahn aus Celle. (Bild)
Sie betonte, dass Traditionen sich verschieden entwickeln, weil die Landschaftsgebiete das Verhalten der Bewohner prägen. Tradition - übersetzt "Überlieferung".
Übernehmen die folgenden Generationen das Überlieferte, wird es zum Brauch. Im nachfolgenden zeigte sie auf, wie reichhaltig und vielfältig Brauchtum und Sitten in ihrem Geburtsland waren. Im unsichtbaren Fluchtgepäck konnte es mitgenommen werden, aber kann nicht mehr so intensiv gepflegt werden wie es in der Heimat möglich war, weil Flucht und Vertreibung Gemeinschaften trennten. Sie forderte eine aktive Anerkennung der Heimatkultur von den nichtvertriebenen Deutschen und von den Medien die Einbeziehung der ostdeutschen Kultur, damit alle Kulturen miteinander verwoben werden und nicht untergehen.
 
Margarete Schönfeldt griff den Begriff "deutsche Leitkultur" auf und erläuterte, dass Kultur zwar die Lebensart einer Gruppe ist, aber es sind Kulturen anderer eingeflossen. So ist auch die "Ostdeutsche Kultur" aus dem Gesamtteil der Kultur entstanden. Sie ist die Darstellung der Heimat in unserer Zeit. Sie wertete die Auseinandersetzung mit den Themen unserer Zeit als sehr positiv und forderte, so lange uns noch die Zeit bleibt, nach außen zu gehen, insbesondere die Enkelgeneration anzusprechen.
 
 
Abschließend erfreute der zwanzigjährige Chor "Heimatmelodie" aus Jena mit gut ausgewählten Liedern, auch zum Mitsingen. In der Würdigung der Arbeit des Chores durch Margarete Schönfeldt , die auch als Sängerin dazu gehört, wurde deutlich sichtbar, wie durch das Altern, durch Krankheit und Tod sich der Chor von ehemals 35 Sängern auf ca. 15 Mitwirkende reduziert hat. Erfreulich aber, dass noch nicht ganz aufgegeben wurde. Auch der Gesang gehört zur Kultur, prägt die Identität und belebt das Lebensgefühl.
Der Applaus galt auch dem jungen Dirigenten Michael Ebert von der Hochschule für Musik Weimar.