Gedenktafel f├╝r Wolfskinder

Gedenktafel für „Wolfskinder“ am Altvaterturm geweiht

 
Der neue Altvaterturm – ein Mahnmal gegen Vertreibung, eine Erinnerungs- und Begegnungsstätte, ein Ort der Versöhnung. Dieser Turm steht im südöstlichen Teil Thüringens, nahe der Berg- und Schieferstadt Lehesten, am Wetzstein in 792 m Höhe.
Im Inneren des Turmes befinden sich Räume der einzelnen Vertreibungsgebiete, die ihre Geschichte dort dokumentieren, so auch ein Raum der Landsmannschaft Ostpreußen und des BdV Thüringen.
In den Nischen der Außenfassade sind Gedenktafeln angebracht, auf denen die schlimmsten Ereignisse der Jahre 1945/46 dargestellt werden, so auch die Gedenktafel für „Wolfskinder“.
 
Am Samstag, dem 09. Mai 2015, fand die feierliche Enthüllung und Weihe dieser Gedenktafel statt.
 
 
Zu dieser Veranstaltung begrüßte Edeltraut Dietel, die Landesvorsitzende der Landsmannschaft Ostpreußen, Landesgruppe Thüringen e.V., ganz herzlich Hans-Jörg Froese, Mitglied im Bundesvorstand der Bundeslandsmannschaft Ostpreußen e.V. und Zuständiger für „Wolfskinder“, Erwin Tesch, stellvertretender Landesvorsitzender des BdV Thüringen, Alexander Schulz, Landesvorsitzender der Landsmannschaft Ostpreußen in Sachsen, Maik Kowalleck, CDU-Landtagsabgeord-neter im Thüringer Landtag, sowie weitere Vertreter aus Politik und Gesellschaft, Mitarbeiter des Altvaterturmes, Vertriebene und ein Wolfskind aus Leipzig, sowie der ortsansässige Pfarrer mit dem Kirchenchor, ebenso waren Schüler einer fünften Klasse mit ihrer Lehrerin anwesend.
 
Aus der Rede des Oberpfarrers Reinhard Zimmermann:
„Eine Gedenktafel am Altvaterturm erinnert an das Schicksal tausender Jungen und Mädchen aus Ostpreußen in den Jahren nach dem 2. Weltkrieg. „Wolfskinder waren seit 1945 über Jahre durch Wälder in Polen, Litauen oder dem Gebiet um Königsberg herumgeirrt, hatten dort gehaust und versuchten irgendwie zu überleben.
Oberpfarrer Reinhard Zimmermann erinnerte an die Zeit von Gewalt, Willkür, Flucht und Vertreibung. Er sprach die Wochen der unmittelbaren Kampfhandlungen in Ostpreußen und die Zeit danach an. Opfer waren Kinder, denen ihre Eltern genommen waren, sie mussten sich alleine durchschlagen. Sie hatten aber auch einen starken Willen zu überleben.
Der Pfarrer zog eine Parallele zur heutigen Zeit mit Krieg und Vertreibungen auch wieder vieler Kinder. Durch Gedenkstätten werde darauf aufmerksam gemacht, dass es so einen Wahnsinn nie wieder geben darf.“
 
 
Nach den Worten des Pfarrers wurde die Enthüllung und Weihe der Gedenktafel vorgenommen. Die LmO, LG Thüringen, sowie Mitarbeiter des Altvaterturmes hatten Blumenschalen an der Gedenktafel abgestellt. Die Kinder legten jeder eine Rose nieder.
 
In den Grußworten der Prominenten kamen mahnende Worte zum Ausdruck.
So sagte der CDU-Abgeordnete Maik Kowalleck: „Es ist wichtig, dass darüber informiert wird, was damals geschehen ist. Das Kapitel ‚Wolfskinder‘ ist vielen nicht bewusst. Für uns ist es eine Verpflichtung aus den Erfahrungen des schrecklichen Krieges zu lernen.“
Der stellvertretende Landesvorsitzende des BdV Thüringen Erwin Tesch, brachte in kurzen Sätzen sehr emotional und zu Herzen gehende Worte zu dem Thema „Flucht und Vertreibung“, sowie „Wolfskinder“ zum Ausdruck und mahnte, dass so etwas nicht wieder geschehen darf.
Dieser Teil der Veranstaltung fand im Außenbereich des Turmes statt.
In der St. Elisabeth-Kapelle, die sich im Kellergeschoss des Turmes befindet, fand der 2. Teil der Veranstaltung statt.
Herr Froese hielt die Ansprache über „Wolfskinder“. Er bezeichnete es als eine persönliche Herzensangelegenheit und auch die des Vorstandes der LO, dass nach 70 Jahren Kriegsende an das Schicksal der „Wolfskinder“ gedacht wird.
Aus seiner Rede einige Auszüge:
„Bei den „Wolfskindern“ handelt es sich um ostpreußische Kinder zwischen zwei und vierzehn Jahren. Nach 70 Jahren Kriegsende ist es leider so, dass die jüngere Generation unter uns nicht weiß, was damals geschehen ist, dass nach viel Leid auch die gewaltsame Vertreibung aus den ehemals deutschen Siedlungsgebieten steht.
Ein besonders hartes Schicksal hatten nach Kriegsende Kinder, die durch Kriegseinwirkungen oder Kriegsfolgen elternlos und heimatlos geworden sind.
„Wolfskinder“ nannte man diese deutschen Kinder. Sie lebten in den litauischen Wäldern, oft in Rudeln zusammen, den Wölfen ähnlich, immer auf der Suche nach etwas Essbaren um zu überleben.
Am Ende des 2. Weltkrieges gab es etwa 20.000 „Wolfskinder“. Die jüngeren überlebten diese Strapazen nicht. Sie starben durch Entkräftung in Folge von Unterernährung, durch Seuchen und anderen Krankheiten.
Es gab aber auch Litauer, die diese Kinder aufnahmen und dabei ihr eigenes Leben riskierten. Sie haben die deutschen Kinder gerettet, haben sie umsorgt und als eigene Kinder angenommen. Ohne ausreichende Schulbildung und berufliche Qualifikation haben sie kein leichtes Leben gehabt. Bis in die 90er Jahre waren die sogenannten „Wolfskinder“ in Deutschland ein fast unbekanntes Thema. An das Schicksal der „Wolfskinder wurde und wird wenig erinnert.
Die Schicksale, die Millionen Deutsche durch Flucht und Vertreibung erlitten haben, sind für uns heute Mahnung und Auftrag, dafür Sorge zu tragen, dass uns und künftigen Generationen solches Leid erspart bleibt.“
 
 
Frau Felber, „Wolfskind“ in Chemnitz wohnend, wollte an dieser Veranstaltung teilnehmen, ist aber leider plötzlich erkrankt. Sie hatte ihren Erlebnisbericht zum Vortragen zur Verfügung gestellt. Hannelore Kedzierski, Kulturbeauftragte der Landsmannschaft Ostpreußen im Freistaat Sachsen, hat diesen zu Herzen gehenden Bericht vorgetragen.
Frau Laue, ebenfalls „Wolfskind“, in Leipzig lebend, war anwesend und hat einen kurzen Bericht aus ihrem schweren Leben als „Wolfskind“ vor den Anwesenden gegeben. Mit Tränen in den Augen konnte sie nicht viel sagen. Es war einfach grausam, was diese Menschen erlitten haben.
 
Mit der Gedenktafel am Altvaterturm wird das Schicksal der „Wolfskinder“ sichtbar gemacht.
Leider gibt es noch zu wenig Literatur zu dem Thema „Wolfskinder“. Der Spielfilm über „Wolfskinder“ der 2014 herauskam, ist ebenfalls noch viel zu wenig bekannt. Man sollte doch hier wirklich einmal mehr dieses Thema in Augenschein nehmen und mehr Öffentlichkeitsarbeit leisten.