Konstruktive Zusammenarbeit mit dem Thillm

Unter Federführung der AG „Jugend und Schule" im BdV- Landesverband Thüringen e.V. wurden sehr gute Ergebnisse bei der Ausschreibung von Schülerwettbewerben in den Klassen 8 bis 11 der Gymnasien und in der Lehrerfortbildung im Fach Geschichte erreicht. Besondere Unterstützung dabei hat der ehemalige Fachreferent für Geschichte des Thillm, Herr Dr. Eisentraut, geleistet. Leider hat diese Zusammenarbeit, bedingt durch das Ausscheiden des Herrn Dr. Eisentraut, seit 2008 stagniert Im Jahr 2012 wurden erneut Kontakte für eine neue Zusammenarbeit mit dem Thillm in Bad Berka geknüpft. Am 24. November 2012 erteilte der Minister des Thüringer Ministeriums für Bildung, Wissenschaft und Kultur, Herr Christoph Matschie, grünes Licht für eine zukunftsorientierte Partnerschaft. Alle abgestimmten Schwerpunkte der Zusammenarbeit können nunmehr gemeinsam angepackt werden.
 
 
Gespräch im ThILLM
 
 
In erster Linie geht es darum, dass Zeitzeugen des BdV im Geschichtsunterricht an Gymnasien über Flucht, Vertreibung und Deportation zwischen 1945 bis 1948 berichten, damit wahre Erlebnisse dargestellt werden. Ebenso sollen den Geschichtslehrern in gemeinsamen Lehrerfortbildungsveranstaltungen mehr Informationen zur Vertreibungsproblematik vermittelt werden.
 
 
Wie auch in anderen Bundesländern wie Bayern, Baden-Württemberg, NRW und Hessen will der BdV/ BdHV – Landesverband Thüringen e. V. seinen Beitrag zur Lehrplangestaltung leisten, denn Flucht, Vertreibung und Deportation sind unabdingbarer Bestandteil deutscher Geschichte, Diese Thematik ist besonders für unsere Jugend wichtig, um klare Abgrenzungen gegen Rechtsradikalismus zu finden, dessen Ideologie und Verbrechen im 2. Weltkrieg die Ursachen für dieVertreibung bildeten.
 
Im Schreiben des Ministers Matschie sind die Themen Flucht und Vertreibung integraler Bestandteil der Lehrinhalte der Klassenstufen 10 und 12. Uns ist aber auch bekannt, dass bei den Geschichtslehrern noch Nachholbedarf besteht. Dabei könnte der BdV/ BdHV kompetente Hilfe mit Unterlagen, Filmen und persönlichen Erlebnisberichten leisten.
 
Eine weitere wichtige Säule sollten grenzüberschreitende Themen und Projekte in den ehemaligen Heimatgebieten sein. Auf der Basis der Charta der deutschen Heimatvertriebenen vom 5. August 1950, in der auf Rache und Vergeltung verzichtet wurde, haben und werden die Heimatvertriebenen alles für die Verständigung und Versöhnung tun und Verbindungen zu den jetzt in der Heimat lebenden Menschen schaffen. Besonders zu unseren Landsleuten, die in der Heimat verblieben sind und als deutsche Minderheit es bis in die heutige Zeit noch sehr schwer in allen gesellschaftlichen Bereichen hat. Besonders seit dem Fall des Eisernen Vorhangs in Europa arbeiten die Heimatvertriebenen unermüdlich als Brückenbauer in ihrer Heimat.
 
Wenn man bedenkt, dass fast 50 Jahre die deutsche Sprache bei Strafe in Oberschlesien verboten war, ist gerade der AG „Jugend und Schule“ zu verdanken, dass unsere Pädagogen vor Ort Großes in der Deutschlehrer-Fortbildung geleistet haben. Die deutsche Minderheit in Polen, also unsere Landsleute, brauchen unsere Unterstützung und die der Bundesregierung, um über ihre deutsche Muttersprache, deutsche Kultur und Bräuche ihre Identität als deutsche Volksgruppe wieder zu erlangen. Anfang der 90er Jahre fehlten jegliche Unterlagen für den Deutschunterricht in Polen. Durch die AG “Jugend und Schule“ wurden zahlreiche Lehr- und Arbeitsmaterialien für den Deutschunterricht erarbeitet, die in den Fortbildungsveranstaltungen für deutsche und polnische Deutschlehrer eine ausgezeichnete Basis bildeten. Ebenso sind Arbeitsbücher für Deutsch zur regionalen Landeskunde über die Deutsche Bildungsgesellschaft in Oppeln besonders bei den 6 schlesischen Eichendorff- Schulen Bestandteile des Unterrichts.
 
Obwohl nach wie vor Dissonanzen bei der Gewährung von Rechten für die deutsche Minder-
heit in der Republik Polen durch nationalistische Kräfte vorhanden sind, kann man auf kommunaler Ebene von einer hervorragenden Zusammenarbeit sprechen. Das trifft auf Woiwodschaften, Städte, Gemeinden und besonders Schulen zu, die sich in Trägerschaft der Gemeinden befinden, Diese erreichte hervorragende Zusammenarbeit sollte im Interesse der Völkerverständigung in einem friedlichen Europa auch im Interesse unserer Landsleute ausgebaut werden.
 
Zusammengefasst wurden am 17.Dezember 2012 nachfolgende Ziele gemeinsam erarbeitet:
 
Der laufende Schülerwettbewerb „ Johann Gottfried Herder“ wird in den Gymnasien verstärkt
durch das Thillm bekanntgemacht.
 
Das Thillm wird 2013 mit dem BdV eine Fortbildungsveranstaltung zur Thematik „Joseph von Eichendorff“ planen.
 
Das Thillm erklärt, an vom BdV organisierten Veranstaltung für Fortbildung in Breslau und  Oppeln mit Referenten teilzunehmen und Gespräche mit der Deutschen Bildungsgesellschaft in Oppeln für eine mögliche Zusammenarbeit zu führen.
 
Durch das Thillm wird geprüft, Fortbildungen für Deutschlehrer aus Polen in Thüringen mit Kostenbeteiligung durchzuführen.
 
Der BdV/ BdHV und das Thillm wollen gemeinsam Lehrmaterialien für den Deutschunterricht in Polen sowie für den Schülerwettbewerb herauszugeben.
 
Das Thillm organisiert ein zentrales schulinternes Fortbildungsseminar für Geschichtslehrer in Verbindung mit Zeitzeugen des BdV/ BdHV im Jahr 2013.
 
Abschließend möchte sich der Vorstand des BdV/ BdHV- Landesverband Thüringen e. V. bei der Thillm- Leitung , aber besonders bei seinem Direktor, Herrn Dr. Andreas Jantowski, für die vom Minister Matschie genehmigte zukunftsorientierte Zusammenarbeit bedanken.
 
 
Horst Jüngling
Stellvertretender Landesvorsitzender
des BdV- Landesverbandes Thüringen e. V.