„Wir sind Juden aus Breslau“

 – ein Kinodokumentarfilm von Karin Kaper und Dirk Szuszies

Im Erfurter Kinoclub am Hirschlachufer wurde dieser Film vom 20. – 22. Februar 2017 vor ausverkauftem Hause gezeigt, ein Film von gewaltiger Ausstrahlungskraft.

Grundlage der Dokumentation sind die Interviews von 14 noch lebenden Zeitzeugen, jüdische Männer und Frauen, geboren zwischen1921 und 1932, Deutsche und Polen, die einst in der schlesischen Metropole gelebt haben. Breslau war mit 25000 Juden die drittgrößte jüdische Gemeinde nach Berlin und Frankfurt im Deutschen Reich. In dem heutigen Breslau leben noch 350 jüdische Bürger. Gerade in der gegenwärtigen Situation mit stärker werdendem Nationalismus und Antisemitismus in Europa ist dieser Film hochaktuell. Er setzt ein eindringliches Zeichen, wohin eine katastrophale Abschottungspolitik gegenüber Flüchtlingen führt. Der Film setzt gleichzeitig anhand der Lebensschicksale der jüdischen Zeitzeugen auch die Gründung des Staates Israel in Verbindung mit den Erfahrungen des Holocaust.

Wir sehen weiterhin einen Aufmarsch auf dem Breslauer Rathausplatz, bei dem polnische Skinheads und rechtsradikale Demonstranten fremdenfeindliche Sprüche skandierten wie „Polen den Polen“. Unter Gejohle und dem Gebrüll „Gott, Ehre und Vaterland“ verbrennen sie danach eine „Judenpuppe“ -  mit Schläfenlocken, schwarzem Kaftan und einer EU-Fahne.

Diesem antisemitischen und chauvinistischen Treiben werden andere aktuelle Szenen entgegengesetzt. Das ist z.B. der „Marsch der gegenseitigen Achtung, mit dem die jüdische Gemeinde und viele Einwohner Breslaus und weitere Gäste, angeführt vom Stadtpräsidenten, an die Progromnacht vom 9. November 1938 im damals deutschen Breslau erinnern.

Unser BdV-Regionalverband Weimar hat am 9. November 2015 an diesem Marsch teilgenommen. Im Film war zu sehen, wie der Landesvorsitzende der Landmannschaft Schlesien und stellvertretende BdV-Vorsitzende, Horst Jüngling, mit dem polnischen Honorarkonsul, Johannes Hofmeister aus Weimar, Blumengebinde am Gedenkstein der „Neuen Synagoge“ in Breslau niederlegen.

 In der anschließenden Podiumsdiskussion mit den beiden Regisseuren und Wolfgang Nossen, ehemaliger Landesvorsitzender der Jüdischen Gemeinde in Thüringen, wurden sehr interessante Fragen zu diesem Filmwerk gestellt.

In der Diskussion hob Herr Jüngling hervor, dass der BdV als Opferverband eine große Empathie gegenüber den jüdischen Mitbürgern und deren grausamen Erlebnissen empfindet und sich in seiner Funktion als Brückenbauer in die ehemaligen Heimatgebiete der deutschen Heimatvertriebenen sieht. Es gibt sehr gute Kontakte zur jüdischen Gemeinde in Breslau, was auch durch eine weitere Kranzniederlegung am 9. November 2015 auf dem jüdischen Friedhof durch den BdV-Landesvorsitzenden und vertriebenenpolitischen Sprecher der CDU-Fraktion im thüringischen Landtag, Egon Primas, belegt wird.

Die Erinnerung an den 9. November 1938 ist auch für den BdV ein Tag der Trauer über Millionen Ermordeter, ein Tag der Scham über einen beispiellosen Zivilisationsbruch, ein Tag der Mahnung.

Der Landesvorsitzende der Jüdischen Gemeinde in Thüringen, Prof. Reinhard Schramm, würdigte in seinem Diskussionsbeitrag die Aktivitäten des BdV gegen Rassismus, Antisemitismus und für Völkerverständigung.

Der Dokumentarfilm ist für alle Generationen unserer Gesellschaft außerordentlich lehrreich und sollte unbedingt in den Geschichtsunterricht an unseren Schulen Eingang finden.

 

Horst Jüngling

Landesvorsitzender der LM Schlesien, Landesgruppe Thüringen