Sch├╝lerprojekt an der Erfurter Berufsschule Ludwig-Erhard-Schule

Im Rahmen eines Schülerprojekts „Zeitzeugen, Flucht und Vertreibung“, der Erfurter Berufsschule Ludwig-Erhard-Schule, trafen die Schüler am 20. und 21. September 2018 auf Zeitzeugen. 
 
Mit Hilfe der Erfurter Geschäftsstelle des BdV Landesverbandes Thüringen, den Zeitzeugen sowie dem Klassenlehrer Herr Kirchner ist es den Schülern gelungen, ihre Ausarbeitungen eindrucksvoll am zweiten Tag des Projekttages zu präsentieren. Zuvor wurde in Arbeitsgruppen mit den Zeitzeugen Wilhelm Geretzky und Armin Mühle das persönliche Gespräch gesucht. Hierbei konnten die Schüler ihre Fragen stellen und weiter erörtern. Viele Sachverhalte waren den Schülern nicht bewusst. 
 
Herr Geretzky im Gespräch mit Schülerinnen und Schülern
 
Als Zeitzeuge an einer Erfurter Berufsschule - ein Bericht von Armin Mühle -
 
Das Thema „Flucht und Vertreibung“ ist aufgrund der aktuellen Ereignisse wieder etwas mehr in den Unterricht an Schulen aufgenommen worden. Herr Kirchner, der in der Vergangenheit an einer vom BdV gestalteten Lehrerweiterbildung teilnahm, hatte die Idee, an der Ludwig-Erhard-Berufsschule zu diesem Thema mit Schülern ein Projekt zu gestalten und deshalb in unserer Geschäftsstelle um Hilfe durch Zeitzeugen gebeten. So kam es am 20. September dieses Jahres zu unserem Gespräch zwischen Schülerinnen und Schülern und mir als Zeitzeuge.
Bild muehle
Die Teilnehmer waren gut vorbereitet. Ein Film sorgte für die richtige Einstimmung. Sie hatten Kartenmaterial sowie Handreichungen zur Zeitzeugenbefragung erhalten, wodurch eine gezielte Befragung möglich war. Je vier Teilnehmer hatten sich einen Zeitzeugen gewählt. 
Die Gespräche ergaben erst einmal, dass im Geschichtsunterricht an früheren Schulen völlig falsche Kenntnisse oder gar keine vermittelt worden sind. Demnach muss Breslau eine zweisprachige Bevölkerung gehabt haben. Wenn Jugendliche die Frage stellen: „Wie verlief Ihre Integration?“ so lässt das auf Unklarheit schließen, das damals Deutsche zu Deutschen kamen und keine Menschen anderer Völker. Einige Sätze im schlesischen Dialekt gesprochen, machten schnell die Unterschiede und Gemeinsamkeiten deutlich.
Es entwickelte sich ein vertrauensvolles Gespräch. Viel wollten die jungen Teilnehmer wissen, weit mehr, als in den Handreichungen vorgegeben war. Auf Einzelheiten einzugehen erübrigt sich. Es war weit mehr Interesse vorhanden als erwartet.
Im Ergebnis ist es Herrn Kirchner gelungen, mit Hilfe der Zeitzeugen einen realen Geschichtsunterricht zu gestalten. Mein Eindruck ist, dieses Projekt wird für die 
Teilnehmer zu einem bleibenden Erlebnis werden. Für die Darstellung des Projektes im Rahmen der Schule wünsche ich ihnen den größtmöglichen Erfolg.
 
 
Als Zeitzeuge stellte sich auch Wilhelm Geretzky den Fragen
zu den Themen der persönlichen Lebensverhältnisse in der Heimat, die Geschichte der Heimatorte und die persönlichen Hinterlassenschaften, die Vertreibung, den schweren Anfang im neuen Zuhause und über die privaten Leitungen und staatlichen Hilfen zur Integration, waren nur einige von vielen, welche die Schüler interessierten.
 
 
Austausch von Informationen unter den Gesprächsgruppen
 
Viele persönliche Fragen standen an vorderster Stelle der Schülerinnen und Schüler, so zum Beispiel auch die Frage welche Erinnerungen an die alte Heimat geblieben sind, ob es Dinge oder Sachen gab welche Sie aus der Heimat mitnehmen konnten und eventuell noch heute besitzen. Aber auch die Frage nach dem emotionalen Stellenwert wurde thematisiert und kritisch hinterfragt. 
Noch gibt es die Möglichkeiten und Chancen diese persönlichen Eindrücke den Schülern zu vermitteln um nicht nur Lehrbuchwissen zu vermitteln. Im Allgemeinen ist festzustellen, dass das Thema Flucht und Vertreibung im heutigen Lehrplan viel zu kurz behandelt und zu wenig Beachtung geschenkt wird. 
 
Deshalb bedanken wir uns umso mehr für die investierte Zeit und Eigeninitiative des Klassenlehrers Herrn Kirchner, den Schülern dieses Projekt ermöglicht zu haben.
 
Präsentation der Ausarbeitungen