Vergeben, aber nicht vergessen…

Vor einigen Wochen durften wir im Rahmen eines Klassenprojektes an der Gemeinschaftsschule Köppelsdorf zwei Zeitzeugen begrüßen, die uns persönliche Erlebnisse aus der Zeit während und nach des Zweiten Weltkrieges berichteten.

 

 

Günther Zimny und Karl Stein engagieren sich seit einigen Jahren im Bund der Vertriebenen und schildern Jugendlichen seitdem sehr emotional und authentisch ihre Kindheitserlebnisse im schrecklichen Zeitalter des Holocaust und deren Auswirkungen in der Folgezeit.

Beide Männer mussten aus ihren Heimatländern Ostpreußen und Pommern fliehen, bzw. wurden vertrieben.

 

Zu Beginn erzählte uns Herr Zimny, Jahrgang 1937, von seiner Flucht aus seinem Heimatland nach Deutschland. Er berichtete uns von der Fahrt in den engen Eisenbahnwaggons, von den Monaten „eingepfercht“ zwischen Tausenden von anderen Flüchtlingen, von den Essensmarken und davon, dass es sehr oft nicht genügend Essen gab.

Darüber hinaus erfuhren wir, dass man nicht einmal auf die Toilette konnte und auch, wie schwer es war, seine Heimat, sein gewohntes Umfeld und vor allem seine Freunde und die Familie zu verlassen.

 

Auch als uns Herr Stein, Jahrgang 1934, von seiner Jugendzeit erzählte, hörten alle gespannt zu. Nur war er nicht geflohen, sondern wurde vertrieben. Er berichtete uns davon, wie er von seiner Mutter getrennt und in ein Arbeitslager gebracht wurde, von den schweren Arbeiten dort und auch davon, dass er seine eigenen Freunde vergraben musste.

 

Herr Stein und Herr Zimny schilderten, wie sie in Sonneberg ankamen, in das Auffanglager auf dem Gelände der ehemaligen PIKO ins Auffanglager gebracht wurden und wie sie sozusagen „geschoren“ wurden, d.h. alle ihre Haare abrasiert wurden. Das ist für uns Jugendliche heute unvorstellbar.

 

Nach diesen Lebensgeschichten waren alle Anwesenden sehr betroffen. Wir alle haben an diesem Tag vieles aus einem anderen Blickwinkel gesehen, was vorher vielleicht leichtfertig über unsere Lippen kam.

Wir waren uns alle einig, dass wir niemals wollen, dass diese Zeit wiederkommt und wir in unserer Argumentation und in unserem Handeln auch einen kleinen Teil dazu beitragen können.

 

 

Ich spreche im Namen der gesamten neunten Klasse Herrn Zimny und Herrn Stein, die uns an ihren Erlebnissen teilhaben ließen, ein riesengroßes Dankeschön aus.

 

Annelie Langguth

Schülerin der Klasse 9b der Gemeinschaftsschule Köppelsdorf