Vertriebene wollen Aussöhnung

 Der Bund der Vertriebenen (BdV) feierte den 28. Tag der Heimat in Vacha. Erinnert wurde an die verlorene Heimat und den Willen zur Aussöhnung.

 

 

Für ihr ehrenamtliches Engagement wurden Marianne Feldmann (Zweite von links) und Christa Schulz von Manfred Grob (links) und Alfred Hoffmann (rechts) geehrt. Ausgezeichnet wurde auch Ingrid Kuberski.

Die Fest- und Gedenkveranstaltung des Regionalverbandes Bad Salzungen im Bund der Vertriebenen (BdV) stand kürzlich unter dem Thema "Menschenrechte und Verständigung - für Frieden in Europa".

Als Gäste zum 28. Tag der Heimat im Kellerhaus Vacha konnten der Landtagsabgeordnete Manfred Grob (CDU) und Landtagskandidat Martin Henkel (CDU) begrüßt werden. Manfred Grob verabschiedete sich als Landtagsabgeordneter. Er überbrachte die Grüße des Vachaer Bürgermeisters Martin Müller. "Es klingt so einfach und selbstverständlich. Doch die Geschichte lehrt uns das Gegenteil", sagte er mit Bezug auf das Thema des Tages. Auch die Auswirkungen des Zweiten Weltkriegs nannte er: "Es hatte zur Folge, dass Königsberg nicht mehr Königsberg, Stettin nicht mehr Stettin, Breslau nicht mehr Breslau hießen. … Die über 700-jährige deutsche Siedlungsgeschichte in Pommern, Preußen, Schlesien, dem Sudetenland und in weiteren Regionen ging vermeintlich zu Ende. Das war Unrecht!"

Auch in der DDR habe das Unrecht nicht aufgehört. Vertriebene seien verharmlosend "Umsiedler" genannt worden und hätten sich nicht organisieren dürfen. Das wurde nach dem Mauerfall durch den BdV nachgeholt. Manfred Grob warnte vor den Reparationsforderungen in dreistelliger Milliardenhöhe von Polen und vor nationalen Alleingängen wie in Großbritannien. Deshalb mahnte er auch: "Verständigung mit den Nachbarn und gegenseitiger Respekt, das sind die Grundlagen für ein friedliches und starkes Europa, das die Menschenrechte verteidigen kann. Dies sollte die Grundlage jeden politischen Handelns sein und auch im Umgang von Mensch zu Mensch." Über die Jahre fühlte er sich immer sehr verbunden mit dem BdV und möchte, dass dies auch nun seinem möglichen Nachfolger im Landesparlament Martin Henkel zuteil werde. Martin Henkel kennt die Geschichte der Vertreibung aus der eigenen Familie. Die Festrede hielt der Vorsitzende des BdV Regionalverbandes, Alfred Hoffmann. Zu Beginn der Veranstaltung rezitierte er das Gedicht "Vergangenheit und Gegenwart" von Margarethe Schwierz aus Bad Salzungen.

Der Tag der Heimat sei in jedem Jahr eine Erinnerung an das millionenfache Schicksal der Vertriebenen und an die Heimat. Bezugnehmend auf seinen Vorredner Manfred Grob äußerte sich auch Alfred Hoffmann zu den geforderten Reparationszahlungen: "Milliarden fordert Polen, wie viele Billiarden war aber unsere Heimat wert." Erst seit dem Mauerfall sei es den Vertriebenen möglich, Brauchtum und Kulturgut der alten Heimat zu pflegen und öffentlich zu machen. Marianne Feldmann meinte dazu: "Diese Schätze zu bewahren und die Kulturarbeit der Vertriebenen und Spätaussiedler zu fördern und fortzuentwickeln, muss ein gesamtgesellschaftliches Interesse sein."

Leider gebe es für die kulturelle Breitenarbeit keine Unterstützung aus Mitteln des Landes Thüringen, sodass Veranstaltungen wie der Tag der Heimat aus Mitgliedsbeiträgen und Spenden finanziert werden müssten. Alfred Hoffmann dankte den Mitgliedern, die treu zum Verband stehen und ihn unterstützen, sowie den Ehrenamtlichen, die mit Herzblut ihre Zeit investieren.

Als Anerkennung für ihr Engagement wurde Marianne Feldmann, Christa Schulz und Ingrid Kuberski geehrt. Emotional wurde es noch einmal, als Alfred Hoffmann ein weiteres Gedicht von Margarethe Schwierz mit dem Titel "Verlorene Heimat" rezitierte. Der Schatzmeister Erwin Schulz forderte die Mitglieder und Gäste auf, sich zum Totengedenken zu erheben. Er sagte: "Wir wollen mahnen und erinnern. Wir trauern, doch wir leben in der Hoffnung auf Versöhnung der Völker und Frieden in der Welt."

Eine besondere Freude ist in jedem Jahr der Auftritt der Chorgemeinschaft Vacha. Mitunter verband sich der Chor mit den BdV-Mitgliedern zu einem großen gemeinsamen Chor. So wurde beispielsweise ein Lied über Vacha dargeboten, welches von einem ehemaligen Gymnasialdirektor geschrieben wurde. Bei Kaffee und Kuchen klang der Nachmittag aus.

 

(aus: Freies Wort)