75. Jahrestag der Deportation der Deutschen in der UdSSR

Veranstaltung der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland

am 27. September 2016  zum
„ 75. Jahrestag der Deportation der Deutschen in der UdSSR“
 
Im Auftrag des Landesvorstandes des BdV- Bund der Heimatvertriebenen e.V. nahm ich an dieser Veranstaltung teil. Als Ehrengäste war die Stadt Erfurt durch die Stadträte Dr. Pfistner und Dr. Hartmann vertreten. Der Einladung waren ca. 40 Personen der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland gefolgt.
 
 
 
 
Die Vorsitzende der Landsmannschaft, Tamara Barabasch, begrüßte alle Anwesenden und erin-nerte in eindrucksvoller Weise an den Stalin-Erlass. Die Deportation der Deutschen erfolgte auf der Grundlage des Stalin-Erlasses vom 28. August 1941 als Erlass des Präsidiums des Obersten Sowjets der UdSSR und wurde am 30. August in deutscher Sprache veröffentlicht.
Das Einladungsmanifest der Zarin Katharina II. aus Zerbst, vom 22.07.1763 führte dazu,
dass darauf die Gründung der ersten deutschen Kolonien an der Wolga entstanden. Die
Leistungen der Wolgadeutschen waren hervorragend, so dass die UdSSR beabsichtigte, die Er-fahrungen und Ergebnisse beispielgebend auf die anderen Sowjetrepubliken in den 20- Jahren zu  übertragen. Der 28. August sollte heute zu einem Tag des Sich-Erinnerns, der Trauer, aber auch zur Verpflichtung im Kampf gegen das Vergessen werden. Diese Symbolik zog sich wie ein roter Faden durch diese Veranstaltung.
Das erlittene Schicksal der deutschen Volksgruppe in der UdSSR ist besonders tragisch. Bereits während des Krieges im Jahr 1941 begann ihr Martyrium. Die männliche deutsche Bevölkerung und kinderlosen Frauen wurden bereits ab Oktober/November 1941 für die  sogenannte Arbeits-armee/Trudarmee mobilisiert und beim Bau von Industrieanlagen, Bahnlinien und Strassen einge-setzt. Die Deutschen aus Russland haben am längsten unter den Folgen des II. Weltkrieges in Sonderlagern unter Aufsicht des Innenministeriums bis 1956 leiden müssen.
Den Deutschen aus Russland gilt unsere volle Sympathie, denn sie hatten es in der Sowjetunion und auch danach in Russland nicht einfach, und die Auswirkungen des Stalin-Erlasses sind auch in der heutigen Zeit noch spürbar. Auf Grund des verbrecherischen Überfalls Nazi- Deutschlands auf die Sowjetunion führte dieser Stalin- Erlass zur kollektiven Bestrafung aller Deutschen in Russland. Die Deportation aus dem europäischen Teil der SU und besonders aus dem Wolgage-biet nach Mittelasien und Sibirien hatte zur Folge, dass auf dem Transport in Viehwaggons bei großer Kälte und in den vielen Arbeitslagern Zehntausende den Tod erlitten haben. Die vollstän-dige Rehabilitation der deutschen Volksgruppe ist bis heute offiziell durch Russland nicht erfolgt.
Ich möchte einige sehr wichtige Auszüge aus dem Bericht der Landesvorsitzenden, Tamara Barabasch, zitieren:
Das Schlimmste war die Agitation an der Front und in den Arbeitslagern im Hinterland. Die Lo-sungen lauteten: “Die Deutschen sind keine Menschen…. zähle nicht die Tage, zähle nicht die die Kilometer. Zähle nur eines, die von dir getöteten Deutschen, einzig und allein auf Grund ihrer nationalen Merkmale“.
Das Tragischste aber ist, dass diesen Menschen bis heute die Rückkehr in ihre Heimatgebiete,
die Wolga-Republik, verweigert wird.
Ab 1947 wurde das System der Überwachung mehrfach verschärft. Unerlaubtes Verlassen des
Aufenthaltsortes wurde erst mit bis zu 3 Jahren Freiheitsentzug bestraft, wenn sie den Ort im Radius von 3 km ohne Erlaubnis verlassen haben. Ab Februar 1948 wurde dies mit 10 Jahren und vom November 1948 mit bis zu 20 Jahren Zwangsarbeit bestraft.
Im März 1989 hofften die Deutschen in Russland darauf, in ihre Heimat an der Wolga zurück-kehren zu können. Hauptziel war dabei, auch die Wiederherstellung der Autonomie an der Wolga zu erreichen. Jedoch diesen Herzenswünschen wurde nicht entsprochen.
 
In der Rede von Boris Jelzin in Osinowski bei Saratow am 08.Januar 1992 wurde der deutschen Volksgruppe ein ehemaliger Truppenübungsplatz für die Wiedererrichtung der Heimatregion in der Nähe von Kasachstan als einzige Variante genannt. Eine solche Variante ist für das größte Land der Erde, in dem sich die Heimatregion befindet, eine schwer nachvollziehbare Lösung, die  eigentlich unverständlich ist. 
Auf Grund dieser Situation des nicht Zurückkehrens in die Heimat, haben im Zeitraum von 1992 - 1994 jährlich über 200 000 deutsche Aussiedler Russland verlassen und sind nach Deutschland übergesiedelt. Diese Situation ist ein Ausdruck dafür, dass nach wie vor die Rechte der Minder-heiten von der Mehrheitsgesellschaft nicht geachtet und ihre Rechte nicht garantiert werden.
Zum Schluss wurde vom BdV- Landesverband der Landsmannschaft eine kleine Büchersamm-lung des Ehepaares Frau Dr. Christine und Herrn Prof. Fred Manthey übergeben sowie auf das sehr aussagefähige Buch „Wolga, Weimar, Weizenfeld“ zur Geschichte und Gegenwart der Deutschen in und aus Russland ebenfalls vom Ehepaar Manthey verwiesen.
 
Der weitere Höhepunkt der Veranstaltung war der Film „Versöhnung über Grenzen“ von Rudolf Steiner und Erik S. Tesch, der begeistert von den Teilnehmern aufgenommen wurde. In diesem Film kam zum Ausdruck, dass es bereits im zaristischen Russland ab 1914 Deportationen der Deutschen gab.
Die musikalische Umrahmung wurde sehr eindrucksvoll mit russischen und deutschen Liedern von dem Chor „Glöckchen“  der Deutschen aus Russland, Gruppe Apolda, gestaltet. Mit viel Beifall bedankten sich die Anwesenden für dieses hervorragende Kulturprogramm.
Bei einem anschließenden Beisammensein wurden noch lange viele interessante Gespräche ge-führt.
 
Horst Jüngling, stellv. BdV- Landesvorsitzender